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Beatmungspflegeportal - 27.11.2019

Großer Erfolg für den „Kongress für Außerklinische Intensivpflege & Beatmung“ KAI in Berlin

KAI 2019 im Olympiastadion Berlin. Foto: Florian Arp

Mehr als 1.200 Teilnehmer kamen am 20. und 21. November in das Olympiastadion. Im Fokus: die politische Debatte um das umstrittene Reha- und Intensivpflegestärkungsgesetz (RISG). Die Teilnehmer erarbeiteten Forderungen, die sie an den Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, und die Bundestagsabgeordneten Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen) übergaben. Westerfellhaus räumte Kommunikationsprobleme des BMG ein. „Es kann nicht sein, dass das RISG Ängste bei den Menschen weckt“, betonte Westerfellhaus.

80 Aussteller, 70 Vorträge, 1.200 Teilnehmer: Mit großem Erfolg ist der 10. „Kongress für Außerklinische Intensivpflege & Beatmung“ (KAI) im Berliner Olympiastadion zu Ende gegangen. Erstmals wurde die renommierte Veranstaltung, die in diesem Jahr unter dem Leitbild „Von der Basis zur Rehabilitation – Was kann außerklinische Intensivpflege leisten?“ stand, von Vincentz Network, dem führenden Fachverlag der Pflegebranche, veranstaltet. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, die Versorgungsstrukturen der außerklinischen Intensivpflege kritisch zu reflektieren, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam, starke Ideen für die Intensivpflege von morgen zu entwickeln.

„Stoppt RISG“
Bereits bei der Eröffnung des Kongresses mit einer Keynote des Präsidenten des Deutschen Pflegerates, Franz Wagner, wurde deutlich, dass der umstrittene Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums für ein Reha- und Intensivpflegestärkungsgesetz (RISG) das beherrschende Thema auf dem KAI werden würde. Pflegekräfte und Betroffene zeigten Protestplakate. Auf den Transparenten stand: „Herr Spahn, auch Menschen im Wachkoma sind unsere Mitbürger und haben ein Lebensrecht in unserer Solidargemeinschaft“ und: „Keine Zwangseinweisung von Beatmungspatienten. Stoppt RISG!“

Forderungen und konstruktiver Dialog
Die KAI-Teilnehmer nutzen die Gelegenheit zum konstruktiven Dialog und formulierten ihre Kritik am RISG sowie Forderungen für eine zukunftssichernde Versorgungsstruktur der außerklinischen Intensivpflege an die Politik. Ihre Forderungen übergaben sie am zweiten Kongresstag an den Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, und die Bundestagsabgeordneten Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen).

Die Forderungen der Branche im Einzelnen:
• Die Unbestimmtheit des Rechtsbegriffes für die außerklinische Intensivpflege muss durch eine Legaldefinition im Gesetz aufgelöst werden. Dies schafft die Grundlage für die allseits gewünschte Professionalisierung dieses Versorgungsbausteins.
• Eine pauschale Kriminalisierung der außerklinischen Intensivpflege ist abzulehnen. Existierende Einzelfälle dürfen nicht unbegründet auf einen gesamten Versorgungsbaustein übertragen werden.
• Schaffung von Rahmenbedingungen, die eine fachärztliche, intersektorale Versorgung legalisieren und adäquat alimentieren. Die bisherigen intersektoralen Hürden der fachärztlichen Versorgung sind das wesentliche Qualitätsrisiko in der Versorgung der Betroffenen, nicht die Sicherstellung der Pflege.
• Die Finanzierung und Durchführung der Fachpflege in ambulanten und vollstationären Pflegeeinrichtungen muss bei identischen Qualitätsanforderungen und auf Basis derselben Grundsätze erfolgen. Hier benötigt es einen gesetzgeberischen Auftrag zur Umsetzung.

Die Forderungen der KAI-Teilnehmer stießen bei den Politikern auf Verständnis. „Alle Forderungen unterstütze ich“, sagte Westerfellhaus. Er versprach: „Es wird einen neuen Gesetzesentwurf geben – mit einem anderen Titel und anderen Inhalten.“ Gleichzeitig bemängelte der Pflegebevollmächtigte die Art, wie das Bundesgesundheitsministerium die geplanten Inhalte des Gesetzes kommuniziert habe: „Es kann nicht sein, dass das RISG Ängste bei den Menschen weckt.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollte einen neuen Entwurf nun schnell vorlegen und die Pflege bei der Diskussion einbinden, so Westerfellhaus: „So, wie es beim letzten Mal gelaufen ist, sollte es nicht laufen.“

Schulz-Asche betonte: „Die Selbstbestimmung ist ein hohes, schützenwertes Gut. Ich denke, wichtig wäre für die Betroffenen eine von den Kassen unabhängige, pflegerische Beratung, die jedem die Versorgung ermöglicht, die er benötigt und sich wünscht. Die Qualität der Pflege muss, ob ambulant oder stationär, für alle gleich sein.“

KAI ist zentrale Dialogplattform der Branche
„Es hat sich wieder mal gezeigt: Der KAI ist und bleibt die zentrale Dialogplattform der Branche für angeregten Fachaustausch, fruchtbare Diskussionen und menschliche Begegnungen. Wir bringen mit diesem Kongress die außerklinische Intensivpflege mit der Politik zusammen“, sagt Lukas Sander, Chefredakteur beim KAI-Veranstalter Vincentz Network. Das bestätigt auch Kongresspräsident Stephan Patke: „Ich bin begeistert, dass wir hier im Olympiastadion so zahlreiche wichtige Impulse für die Menschen geben konnten, die in der außerklinischen Intensivpflege tätig sind oder gepflegt werden. ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Kongress.“

Save the date:
Im Frühjahr 2020 wird der Gesetzgebungsprozess zum RISG voraussichtlich abgeschlossen. Vincentz Network lädt deshalb zum Management-Update, der „Entscheiderkonferenz aktuell“ ein: am 23. April 2020, 10.00 - 17.00 Uhr, in Hannover.

Save the date:
Der nächste „Kongress für Außerklinische Intensivpflege & Beatmung“ (KAI) findet am 11. und 12. November 2020 statt.

Quelle: Vincentz Network