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Beatmungspflegeportal - 09.08.2017

Die Krankheit annehmen und mit ihr leben

Karola Borutha wurde am 25. September 1949 in Krauschwitz Sachsen geboren. Seit dem Jahr 1972 lebt die gelernte Verkäuferin in Oberhausen-Osterfeld, im Jahr 1999 zog sie mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter nach Oberhausen-Klosterhardt in ein Zweifamilien Haus, das Sie im Erdgeschoss bewohnt. Tochter und Ehemann wohnen in der oberen Etage. Als die Familie hier einzieht ahnt sie noch nicht, wie positiv die Wohnsituation sich auf ihr späteres Leben auswirkt.

Petra Maßmann, die Tochter von Frau Borutha wird im Jahr 2013 immer wieder zu ihren Eltern ins Erdgeschoß des gemeinsamen Hauses gerufen, weil die Mutter aus unerklärlichen Gründen in unregelmäßigen Abständen stürzt und sich dabei Kopfverletzungen zuzieht. „Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wie oft wir den Krankenwagen gerufen haben“, sagt Petra Maßmann und zeigt Fotos der Verletzungen auf ihrem Handy, „zu diesem Zeitpunkt wusste ja noch keiner, warum meiner Mutter immer die Beine wegknicken.“

Der Leidensweg beginnt
Am Anfang konnte Karola Borutha kein Arzt weiterhelfen: „Wir sind in den ersten Wochen von Arzt zu Arzt gegangen“, erinnert sich die heute 67-jährige, „bis ein Facharzt dann im Krankenhaus die Diagnose Myebitis festgestellt hat.“ Kurzbeschreibung der Erkrankung: Die Myelitis ist eine entzündliche Erkrankung des Rückenmarks, die durch verschiedene Erreger, immunologische oder tumorartige Prozesse verursacht wird. Je nach Ursache, Lokalisation und Zeitverlauf werden verschiedene Formen unterschieden. Bei Mitbeteiligung der Nervenwurzeln liegt eine Myeloradikulitis vor. Als aufsteigende Lähmung mit Befall von Hirnnerven und Atemzentrum kann die Myelitis im Sinne einer Landry-Paralyse verlaufen. „Zuerst versuchte man noch die Krankheit durch Aufenthalte in verschiedenen Kliniken zu behandeln, doch nach den letzten vier Monaten Reha-Aufenthalt in Bad Berleburg, war allen klar, dass ich zu Hause einen Pflegedienst brauche“, so Borutha.

Familie hält immer zusammen  
Der Kontakt zu dem Pflegedienst kam schon in Bad Berleburg zu Stande: „Hier wurde ich von der Pflegedienstleitung besucht und wir haben darüber gesprochen, was meine Familie zu Hause für Vorkehrungen treffen soll“, weiß Borutha. Ein zweites Wohnzimmer in der gemeinsamen Wohnung wurde in ein Pflegezimmer umgestaltet. „Dadurch, dass ich selbständig bin“, bemerkt die Tochter, „kann ich mir meine Zeit relativ frei einteilen und konnte meinen Vater in vielen Dingen unterstützen.“ Erst war es für alle Beteiligten ungewohnt, dass der Pflegedienst 24 Stunden im Haus ist: „Mir war aber klar, dass ich als Tochter die Pflege nicht alleine bewältigen kann. Der Pflegedienst gab mir von Anfang an auch Sicherheit und ich war erleichtert, dass ich diese Unterstützung hatte“, bemerkt die 49-jährige „trotzdem bin ich immer gerne in der Nähe meiner Mutter, wir haben ein ganz inniges Verhältnis und ich bin jeden Tag hier“. Die Pflegefachkraft Jennifer Friedrich arbeitet regelmäßig und gerne bei Frau Borutha: „Hier in dieser Pflegestelle haben wir ein ganz inniges Verhältnis mit der Familie zusammen“, freut sich die Hernerin, „man fühlt sich hier sehr wohl, weil man direkt in die Gemeinschaft aufgenommen wird.“

Abwechslung und Lebensfreude an jedem Tag
Karola Borutha wird seit Februar 2017 maschinell beatmet:„ Der Vorteil, den ich mit dem Beatmungsgerät habe ist, dass ich wieder richtig essen kann, was vorher nicht ging“, freut sich die Hobby-Stickerin, die durch ihre früheren ehrenamtlichen Tätigkeiten im Altenheim und in einem Kirchencafé auch viele Freunde und Bekannte hat. „Ich bekomme immer noch regelmäßig Besuch von meinen ehemaligen Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten“, bemerkt Borutha. „Wir machen das beste aus der Situation“, fügt ihre Tochter hinzu, „ meine Mutter ist ein sehr optimistischer Mensch, wir lachen oft und haben viel Spaß zusammen.“ Eine Rampe, die die Familie in Eigenregie vom Wohnzimmer zur Terrasse gebaut hat, ermöglicht Frau Borutha einen unkomplizierten Weg mit ihrem Rollstuhl auf die Gartenterrasse, wo sich die Nachbarn gerne einfinden um an langen Sommerabenden gemeinsam Erinnerungen auszutauschen und die Abendsonne zu genießen.

Verschiedene Therapien werden durchgeführt
Ergo-, Logo- und Physiotherapie bekommt Karola Borutha als Therapieanwendungen jede Woche: „Außer donnerstags kommt jeden Tag jemand vorbei, der mir gut tut und meine momentane Situation unterstützt“, sagt sie, „diese Woche habe ich auch eine Sprachcomputer bekommen mit dem ich mich noch mit den Tasten, aber auch über die Augen unterhalten kann“, freut sich die Oberhausenerin. „Ich bin froh, dass meine Mutter sich endlich auch mal Whats App angewöhnt hat, dann sind wir doch schneller in Kontakt und ich komme eben runter, dann sitzen wir zusammen und genießen die Zeit“, sagt die Nagelstylistin.

Das Leben geht weiter
Trotz der schlimmen Diagnose lässt sich Karola Borutha nicht unterkriegen: Man sollte sich niemals aufgeben“, weiß die gebürtige Sachsenerin, „und immer Menschen an sich ranlassen und in seiner Umgebung haben. Lieber zwei oder drei zu viel als zu wenig oder gar keinen. Die gemeinsame Zeit genießen, die man zusammen hat, das ist das wichtigste, besonders mit seiner Familie, Freunden und Bekannten“.