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Beatmungspflegeportal - 04.08.2011

Sekretlösung ist lebenswichtig – besonders in der Beatmungspflege

„Der kann mir ordentlich was husten.“ Wer sich ärgert, sagt das gerne. Eine Redewendung – doch Abhusten ist lebenswichtig. Denn dadurch werden die Atemwege von Sekret befreit, man bekommt wieder gut Luft. Wer krank ist und nicht mehr selbst abhusten kann, der ist auf Hilfe angewiesen.
Für langzeitbeatmete Patienten oder tracheotomierte Patienten ist Sekretmanagement lebenswichtig. Doch was heißt das? Sekretmanagement beinhaltet im Wesentlichen die Sekretlösung und den Abtransport, das heißt die Entfernung des gelösten Sekrets. In der klinischen und außerklinischen Pflege von beatmungspflichtigen Patienten ist die Lösung und Entfernung des Sekrets Aufgabe des medizinischen Fachpersonals. Denn ist das Sekretmanagement unzureichend, kann es zu Komplikationen kommen. Ebenso ist auch die Ursache der Sekretretention (Verbleiben von Drüsensekreten in der Drüse) zu beachten. Hier sollte ein Pneumologe oder ein erfahrener Hausarzt mit hinzugezogen werden. Bei häuslichen Beatmungen sollten Beatmungszentren mit eingebunden sein, denn diese haben entsprechend Erfahrungen im Sekretmanagement.
 
Überleitung in die häusliche Umgebung

Bereits vor der Überleitung eines beatmungspflichtigen Patienten werden die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes auf die individuelle Beatmungssituation des Patienten in der Klinik vorbereitet:

• Kennenlernen des Patienten in der Klinik
   und Ersterfassung aller Risikofaktoren
   bereits beim Erstkontakt Pflegedienst/
   Patient/Klinik.
• Hospitation von 1 bis 2 Mitarbeitern in
   der Klinik an den Tagen unmittelbar vor
   Entlassung aus der Klinik.
• Einweisung der Pflegekräfte des Pflege-
   dienstes in die Geräte (Beatmungs-
   geräte, Monitoring, Absauggeräte,
   Sauerstofftherapie usw.).
• Aktive Teilnahme an der Pflege des
   Patienten gemeinsam mit dem Pflege-
  personal der stationären Einrichtung.
• Anwesenheit einer zuständigen Pflege-
   person des Pflegedienstes bei Wechsel
   oder Anpassung des Beatmungszugan-
   ges zur Klärung individueller Probleme.
• Kommunikation mit beteiligten Berufs-
   gruppen im häuslichen Umfeld.

Trotz guter Vorbereitung können im Verlauf der häuslichen Versorgung sekretbedingte Probleme auftreten. Deshalb sind Maßnahmen des Sekretmanagements unerlässlich. Diese müssen mit dem behandelnden Facharzt bzw. Hausarzt abgesprochen und verordnet werden. Unzureichend durchgeführtes oder durchführbares Sekretmanagement kann zu Hypoxämien, rezidivierenden Infekten des Bronchialsystems, Verlegung des Beatmungszuganges (Trachealkanüle, Schlauchsystem) erschwerter Atemarbeit und Bildung von Atelektasen führen. Für Patienten, die zu Hause möglichst selbstbestimmt und „normal“ leben möchten, bedeutet dies eine Abnahme der Lebensqualität. Diese kann durch folgende Maßnahmen wie zum Beispiel durch sekretmobilisierende Techniken erhöht werden:
 
Lagerung und Mobilisation

Neben medikamentösen und technischen Möglichkeiten kann durch eine entsprechende Lagerung und frühzeitige Mobilisation die Sekretproduktion und Sekrettransport positiv beeinflusst werden. Zu den am häufigsten angewendeten Techniken gehören:

• Oberkörperhochlagerung zur Erleich-
   terung des Hustenstoßes
• Sekretlagerungsdrainage mit Hochlage-
   rung des betroffenen Lungenteiles
• Lagerungswechsel um die eigene Achse
• VATI- Lagerung
 
Atemgaskonditionierung
Diese ist wegen der Umgehung der oberen Luftwege bei Trachealbeatmung immer erforderlich, da die Reinigung, Erwärmung und Befeuchtung der Atemluft nicht erfolgen kann. Bei Maskenbeatmung ist sie selten notwendig, da der physiologische Weg erhalten ist. Man unterscheidet aktive Atemgaskonditionierung und passive Atemgaskonditionierung. In der ambulanten Versorgung werden vorrangig passive Atemgaskonditionierer eingesetzt. Vorteile sind unter anderem geringe Kosten und einfache Handhabung.

Behandlung
Hochfrequenz-Brustwand-Kompressionsgeräte zielen auf die Lösung des Sekretes von der Bronchialwand und Verringerung der Viskosität mittels Schwingungen. Ihr Einsatz ist bei beatmeten und intermittierend beatmeten Patienten zu erwägen. In- und Exsufflatoren, wie der Cough Assist oder der Pegaso, ahmen den natürlichen Hustenstoß nach. Durch die medikamentöse Gabe von Aerosolen wird das Flimmerepithel aktiviert, zähes Sekret gelöst und die Mukusbeschaffenheit positiv beeinflusst. Die Behandlung von Grund- und Begleiterkrankungen wie Linksherzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, COPD können ebenfalls zu einer Besserung der Sekretproblematik führen.
 
Physiotherapeutische Maßnahmen
Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Atmungstechniken zur Sekretmobilisation sind ausreichende Einatemka­pazität, Ausatemflow sowie ein stabiles Bronchialsystem. Die Einatemkapazität kann durch eine atemerleichternde Lagerung oder Linderung vorhandener Schmerzen erreicht werden.

Eine bewährte Atemtechnik ist das „Air stacking“: Während der Inspiration wird dem Patienten mittels Beatmungsbeutel oder durch die Beatmung mit Volumenvorgabe zusätzlich mehrmals Luft insuffliert (über Maske/Mundstück) ohne zwischenzeitliche Exspiration. Ein instabiles Bronchialsystem kann durch den Einsatz von PEP-Systemen offen ge-
halten werden. Hauchen oder Huffing ist ein forciertes Ausatemmanöver bei offengehaltener Glottis, um den Kollaps der Atemwege, der beim Hustenstoß entsteht, zu vermeiden. Husten gegen einen Widerstand zielt auf den gleichen Effekt.

Hygiene
Wie bei allen pflegerischen und medizinischen Interventionen gilt auch in der Heimbeatmung die Einhaltung von hygienischen Richtlinien, vor allem zur Vermeidung von zusätzlichen Risiken durch Infektionen. Alle pflegerischen Maßnahmen sollten unter Beachtung und Einhaltung von Hygienerichtlinien durchgeführt werden. Dabei sollten alle Empfehlungen der Hersteller sowie die Leitlinien zur außerklinischen Beatmung berücksichtigt und die Anforderungen der Transparenzkriterien des MdK umgesetzt werden.