Dienstag 16.01.2018 12:48
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Carsten Plösser und Manfred Vavrinek / mb - 02.05.2012

Multiprofessionelles therapeutisches Team in der außerklinischen Beatmungspflege

Da in der außerklinischen Beatmungs- und Intensivpflege Patienten mit den verschiedensten Grunderkrankungen versorgt werden, bedarf es des Einsatzes eines multiprofessionellen therapeutischen Teams, bestehend neben dem Pflegefachpersonal unter anderem aus Physio-, Ergo-, Wachkomatherapeuten, Logopäden und Atmungstherapeuten.

Um den medizinisch-pflegerischen und den sozialen Ansprüchen gerecht zu werden, sind sehr hohe Erwartungen an die Qualifikation aller beteiligten Fachkräfte, und speziell des betreuenden Pflegefachpersonals, zu stellen.

Eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Alten-, Kinder- oder allgemeinen Krankenpflege reicht hier meist nicht aus, da in den entsprechenden Ausbildungen strukturbedingt die für die Beatmungspflege relevanten Themen nicht schwerpunktmäßig abgehandelt werden.

Um sicher und kompetent arbeiten zu können, müssen sich die examinierten Pflegefachkräfte im außerklinischen Intensivpflegebereich spezialisieren und weiterbilden. Hierzu gibt es genügend Empfehlungen von verschiedenen Seiten. So empfiehlt beispielsweise das Kompetenznetzwerk außerklinische Intensivpflege Bayern (KNAIB), dass alle Pflegefachkräfte, die beatmungspflichtige Menschen versorgen, einen speziellen Heimbeatmungskurs zu absolvieren haben, der 220 Stunden inklusive Praktika und Facharbeit umfasst. Zur pflegerischen Versorgung dieser Patienten ist so ein Kurs durchaus ausreichend.

Ansprüche an das Überleitmanagement

Die Übernahme der Patienten erfolgt hauptsächlich direkt aus Fachkliniken, ein nicht unerheblicher Anteil auch aus Rehakliniken. Die dort begonnenen Therapien müssen im außerklinischen Bereich unbedingt fortgeführt, in manchen Fällen nach erforderlichen Evaluationsschleifen auch noch ergänzt oder adaptiert werden. Denn bei vielen Betroffenen geht es nicht nur um die PFLEGE an sich, sondern es geht um die THERAPIE. Oft bleiben viele Ressourcen der Betroffenen unentdeckt, was dazu führt, dass ein Großteil der primär beatmungspflichtigen Menschen dies auch bleibt. Leider findet man immer wieder Patienten vor, bei denen Monate nach Klinikentlassung weder die Beatmungsparameter, noch die Medikation oder beispielsweise die Ernährung adaptiert wurden.

Der Atmungstherapeut als Bindeglied

Solche Situationen zu verbessern, notwendige pflegerisch-therapeutische Konsequenzen zu erkennen und gemeinsam mit dem behandelnden Arzt umzusetzen, ist die Aufgabe des Atmungstherapeuten. Er ist ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Patienten, dem behandelnden Arzt, dem Pflegeteam, allen Therapeuten und der Familie.

Durch seine erweiterten fachspezifischen Schlüsselkompetenzen weist der Atmungstherapeut eine hohe klinische Expertise in medizinischen, therapeutischen und pflegewissenschaftlichen Disziplinen auf, die in den fachpraktischen Maßnahmeplanungen und Interventionen zur Anwendung kommen.

Auch die familiären Ressourcen bleiben meist unentdeckt. So wird die Rückzugspflege – oder Potentiale, die zu einer vollständigen Genesung des Patienten führen könnten – häufig nicht genutzt.

Basierend auf diesen Erkenntnissen hat die Deutsche Gesellschaft für pflegerische Weiterbildung ihre Fortbildung zum Atmungstherapeuten (DGpW) dahingehend spezifiziert. Mit einem Umfang von 640 Stunden, davon 340 Stunden theoretischer Unterricht mit hoher Praxisrelevanz und mehreren Praktika, werden die Teilnehmer/innen bestmöglich für ihre Aufgaben gerüstet.

Aus dem Inhalt der Weiterbildung Atmungstherapeut (DgpW):

• Evidence Based Nursing – Einführung in den Pflegeforschungsprozess

• Überleitmanagement/Case Management

• Beatmung und Beatmungspflege

• Anatomie, Pathophysiologie und Krankheitslehre in der klinischen und außerklinischen Intensivpflege

• Grundlagen diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen

• Physiotherapeutische Behandlungsstrategien

• Grundlegende Expertise in der Medizinund Gerätetechnik

• Schmerzmanagement

• Palliative Care

• Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen

• Berufspädagogik, Train-the-trainer Seminar

• Systemische Beratungsmodelle der „Familienzentrierten Pflege“

• Raucherentwöhnung

• Glossopharyngeale Atmung (Froschatmung)

 Hilfe für Menschen im Wachkoma

Was der Atmungstherapeut für die beatmungspflichtigen Patienten ist, ist der Wachkomatherapeut für Menschen im Wachkoma. Es gibt wohl kaum ein komplexeres Thema in der außerklinischen Intensivpflege als dieses. Erfahrungsberichte von Menschen, die sich im wachkomaartigen Zustand befanden, beschreiben erschreckende Alltagssituationen, die sich auf Defizite im Wissen um die pflegerische Versorgung dieser Betroffenen zurückführen lassen. Genannt werden in diesem Kontext häufig Themen, welche die basale Stimulation, die richtige Kommunikation mit Betroffenen, die Schmerzproblematik und nicht zuletzt die psychosoziale Situation betreffen.

Wünschenswert wäre es, wenn kein Mensch im Wachkoma auf einen Wachkomatherapeuten als Bindeglied im interdisziplinären Team verzichten müsste. Die Weiterbildung zum Wachkomathera peuten (DGpW) ist darauf ausgerichtet, den Pflegefachkräften umfangreiche praxisbezogene Kenntnisse in medizinischen, therapeutischen und pflegewissenschaftlichen Disziplinen zu vermitteln.

Spezialisierung ist notwendig

Da sich die außerklinische Intensivpflege auf Grund des immer größer werdenden Mangels an Pflegefachkräften zukünftig vermutlich zunehmend auf die Versorgung in Wohngruppen verlagern wird, wer den bezüglich der Vielfalt der zu erwartenden Krankheitsbilder Spezialisierungen notwendig. In einem multiprofessionellen Team ist es essentiell, dass neben den behandelnden Ärzten, den Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden eben Pflegefachkräfte tätig sind, die durch eine entsprechende Weiterbildung über ein umfangreiches Wissen verfügen, um alle therapeutischen Möglichkeiten zu einhundert Prozent auszuschöpfen.

Carsten Plösser und Manfred Vavrinek

Deutsche Gesellschaft für pflegerische Weiterbildung

Angerer Straße 2, 83346 Bergen

Telefon 08662 · 48 59 38

Telefax 08662 · 48 58 01

info@dg-pw.de, www.dg-pw.de