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Beatmungspflegeportal - 27.10.2011

Mangelernährung in der außerklinischen Intensiv- und Beatmungspflege verhindern

Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Daher ist eine bedarfsgerechte und bedürfnisorientierte Ernährung bei kranken und pflegebedürftigen Menschen unerlässlich. Der Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“, den das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) 2008 erarbeitet hat, soll die Qualitätssicherung in allen Pflegeeinrichtungen vorantreiben. Auch in der ambulanten Intensiv- und Beatmungspflege wurden diese Standards entsprechend adaptiert, wie zum Beispiel bei der F.U.K 24 in Bochum.

Das DNQP hat nicht alle Aspekte der Ernährungssituation Pflegebedürftiger in ihren Standard aufgenommen. Es will in erster Linie die orale Ernährung von Patienten in Krankenhäusern, von Bewohnern in Altenheimen und von Pflegekunden, die von ambulanten Pflegediensten betreut werden, sicherstellen. Nicht berücksichtigt werden im Expertenstandard „Ernährungsmanagement“ Pflegebedürftige, die aus Krankheitsgründen eine enterale oder eine parenterale Ernährung erhalten, Kinder und Säuglinge sowie Menschen mit Diabetes mellitus oder Adipositas.

Zielsetzung des Standards
• Angemessene Unterstützung bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
• Bedürfnisorientierte und bedarfgerechte orale Ernährung sichern und
   fördern
• Mangelernährung verhindern und Ernährungsdefiziten entgegenwirken
• Frühzeitiges Erkennen einer Mangelernährung
• Die Gestaltung der Mahlzeiten gewährleisten, unter Berücksichtigung
   der Umgebungsfaktoren
• Vermeidung von Folgeerkrankungen
• Ausgewogene Ernährung
• Stabilisierung des Körpergewichtes im gesunden Bereich
• Aktueller Ernährungszustand ist den Pflegefachkräften bekannt

Gründe für eine Mangelernährung
Essen und Trinken beeinflussen die Lebensqualität. Demzufolge verschlechtert sich diese, wenn die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nicht mehr gesichert ist. Findet keine Unterstützung statt, kommt es zu einer Mangelernährung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) definiert eine Mangelernährung als ein „anhaltendes Defizit an Energie und/oder Nährstoffen im Sinne einer negativen Bilanz zwischen Aufnahme und Bedarf mit Konsequenzen und Einbußen für Ernährungszustand, physiologische Funktion und Gesundheitszustand.“

Allgemeine Risiken, wie Krankheit oder alters- und therapiebedingte Einschränkungen, können zu einer Mangelernährung führen. So können akute oder chronische Erkrankungen, Schluckstörungen, aber auch Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Unwohlsein oder Appetitlosigkeit nach der Einnahme von Medikamenten zu einer Mangelernährung führen. Weitere Risiken stellen psycho-soziale oder umgebungsbedingte Faktoren dar. Depressionen oder ein fehlendes soziales Netz können die Ernährung genauso beeinträchtigen wie unflexible Essenszeiten oder Unterbrechungen bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.
Eine Mangelernährung kann sehr schnell lebensbedrohlich sein. Je höher das Alter der Betroffenen und die Anzahl der Medikamente ist, die diese einnehmen, umso größer ist auch die Häufigkeit und Schwere der Mangelernährung.

Pflegeanamnese
Die Pflegefachkräfte sollten bereits zu Beginn des pflegerischen Auftrages alle Risiken in der Pflegeanamnese festhalten. Liegt bereits eine Mangelernährung vor? Welche Risikofaktoren können der Grund für eine geringe Nahrungs- und Flüssigaufnahme sein? Veränderungen bei der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme sollten in der Pflegedokumentation festgehalten werden. Ein täglich von den Pflegefachkräften geführtes Ess- und Trinkprotokoll macht Mangelernährungen sichtbar. Ist die Ess- und Trinkmenge ausreichend? Beim ersten Screening lassen sich Pro­blembereiche identifizieren und präzisieren, zum Beispiel durch den Body-Mass-Index. Wird eine Mangelernährung von den Pflegekräften nachgewiesen, müssen weitere Maßnahmen zur Diagnostik eingeleitet werden. Die Diagnose kann durch eine Bioelektrische Impedanz-Analyse, der Hautfalten-/Ober­-armumfang und einer Wadenumfangmessung bestätigt werden. Helfen kann außerdem eine Verzehrmengenerfassung. Die Gründe des Appetitmangels sowie die Ablehnung bestimmter Spei­sen sollte festgehalten werden. Alle Maßnahmen können Klar­heit darüber geben, ob eine Mangelernährung vorliegt.

Individuelle und berufsgruppenübergreifende Planung
Mahlzeiten sollten für jeden einzelnen Pflegekunden individuell geplant werden. Besonders wichtig ist die Einbeziehung der Pflegekunden und deren Angehörigen zum Beispiel in die Pflege von außerklinisch Beatmeten. Ist die Ernährungssituation negativ, müssen andere Berufsgruppen, wie zum Beispiel Ärzte, Logopäden oder Diätberatung, in die Versorgung mit einbezogen werden. Die Maßnahmen werden von der Fachpflegekraft koordiniert, ethisch begründet und ihre Umsetzung geprüft. Jede Berufsgruppe oder Person sollte in ihrem Bereich im Prozess der Nahrungsmittelbereitstellung sowie in der Unterstützung bei der Nahrungsmittelaufnahme verantwortlich sein.

Beratung und Auswertung
In der ambulanten Intensiv- und Beatmungspflege steht die Miteinbeziehung der Angehörigen bei Ernährungsfragen im Vordergrund. Oftmals ist eine 24-Stunden-Betreuung von beatmungspflichtigen Pflegekunden unerlässlich. Gewohnheiten oder Einschränkungen kennen Angehörige sehr gut, da sie schon frühzeitig in der Pflege und Betreuung des Pflegekunden integriert waren. Die Pflegefachkräfte informieren und beraten den Pflegekunden und seine Angehörigen über die Gefahren einer Mangelernährung. Sie setzen Maßnahmen um, indem sie zum Beispiel Hilfsmittel einsetzen, um eine angemessene Ernährung einzuleiten. Im Anschluss überprüfen die Pflegefachkräfte gemeinsam mit dem Pflegekunden und seinen Angehörigen in individuell festgelegten Abständen den Erfolg und die Akzeptanz der Maßnahmen. Sie nehmen gegebenenfalls eine Neueinschätzung vor und ändern den Maßnahmenplan entsprechend.