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Beatmungspflegeportal - 10.12.2012

Interview mit Manfred Vavrinek, IpW GmbH, Institut für pflegerische Weiterbildung

In der außerklinischen Beatmungspflege werden Patienten mit den verschiedensten Grunderkrankungen und schweren chronischen Verläufen versorgt. Um die komplexen Anforderungen erfüllen zu können, bedarf es engagierter und qualifizierter Fachkräfte. Das IpW, Institut für pflegerische Weiterbildung GmbH, ist ein Bildungsträger, der sich auf die Qualifizierung von Pflegepersonal im Bereich der außerklinischen Intensivpflege und Heimbeatmung spezialisiert hat. Wir sprachen mit dem geschäftsführenden Gesellschafter, Manfred Vavrinek.

AirMediPlus: Welche Fort- und Weiterbildungen bieten Sie an?

Manfred Vavrinek: Als Gründer und Geschäftsführer der IpW GmbH, Instítut für pflegerische Weiterbildung, biete ich seit ca. sieben Jahren Fachweiterbildungen für außerklinische Intensivpflege und seit ca. fünf Jahren die Fachweiterbildung für pädiatrische außerklinische Intensivpflege an. Zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern entwickeln wir Schulungen für verschiedene Berufsgruppen innerhalb der Pflege. So entstand beispielsweise der FAB, Fachberater für außerklinische Intensivversorgung. Dieser Kurs wendet sich an Mitarbeiter von homcare-Providern und wird in Kooperation mit der Reha-Vital GmbH bundesweit angeboten. Darüber hinaus bietet die DGpW, Deutsche Gesellschaft für pflegerische Weiterbildung, Weiterbildungen zum Atmungstherapeuten und, ganz aktuell, die Weiterbildung zum Wachkomatherapeuten an.

AirMediPlus: Wie sehen Sie den Weiterbildungsbedarf in der außerklinischen Beatmungspflege?

Manfred Vavrinek: Der Pflegenotstand ist ja seit langem in aller Munde. Durch die ständig wachsenden Patientenzahlen wird es immer schwieriger, eine optimale Versorgung zu gewährleisten. In der außerklinischen Beatmungspflege kommt erschwerend hinzu, dass examiniertes Kranken- und Altenpflegepersonal nicht automatisch für eine verantwortungsvolle und kompetente Versorgung qualifiziert ist. Eine fundierte Weiterbildung speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse in der Beatmungspflege sollte für alle hier tätigen Pflegekräfte obligat sein. De fakto ist das leider noch lange nicht so – daher ist der Bedarf hier enorm.

AirMediPlus: Sie bieten die Weiterbildung zum Atmungstherapeuten an, das ist noch relativ neu, was hat es damit auf sich?

Manfred Vavrinek: Durch meine langjährige Tätigkeit in der außerklinischen Beatmungspflege bin ich der Überzeugung, dass der Einsatz von Atmungstherapeuten die Qualität der Pflege und somit die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern kann. Die DGP, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie, bietet seit einigen Jahren die Weiterbildung zum Atmungstherapeuten an. Der Bedarf in der außerklinischen Intensivversorgung kann hierdurch aber weder in der Kapazität noch in der speziellen Ausrichtung gedeckt werden. Dieses Bild wurde auch durch die regelmäßigen Anfragen bei der IPW gestützt. Für mich allein war die Herausforderung, eine so komplexe Schulung zu konzipieren, jedoch zu groß. Erst durch den Zusammenschluss mit René Limberger, Inhaber des ISPM, Institut für System Pflege Management, und die Unterstützung durch andere fachliche Berater konnten wir die Deutsche Gesellschaft für pflegerische Weiterbildung, DGpW, gründen. Gemeinsam haben wir uns der Aufgabe gestellt, die Weiterbildung zum Atmungstherapeuten auf die speziellen Bedürfnisse in der außerklinischen Beatmungspflege abzustimmen.

AirMediPlus:Was gibt es da aus Ihrer Sicht für Besonderheiten?

Manfred Vavrinek: Die Besonderheit der Weiterbildung zum Atmungstherapeuten (DGpW) liegt in der grundsätzlichen Ausrichtung. Wir sehen unsere Atmungstherapeuten als kompetente, hochspezialisierte Pflegefachkräfte. Durch ihre hohe klinische Expertise in medizinischen, therapeutischen und pflegewissenschaftlichen Disziplinen sind sie ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Patienten, dem Pflegeteam, dem behandelnden Arzt und nicht zuletzt der Familie des Betroffenen.

AirMediPlus: Was für Änderungen würden Sie sich wünschen?

Manfred Vavrinek: Ich würde mir ein grundlegendes Umdenken in der Gesundheitspolitik wünschen, das größeren Wert auf Qualität legt, Weiterbildung fordert und honoriert und durch verstärke Kontrollen Missstände aufdeckt. Die momentane Forderung nach Schulungen mit 40 Stunden Theorie und 80 Stun den Praktikum für die Pflegekraft ohne Leitungsfunktion ist völlig unzureichend. Dazu kommt, dass ein Großteil der Pflegekräfte in der außerklinischen Intensivpflege von examinierten Altenpflegekräften gestellt wird. Folgt man den Forderungen der DIGAB, ist diesen der Zugang zu umfangreicheren Schulungen sogar verwehrt. In meinen Augen sollte das gesamte Pflegeteam eine 200-Stunden-Weiterbildung absolvieren. Pflegekräfte mit Leitungsfunktion sollten zusätzlich im psychosozialen Bereich geschult sein. Hier denke ich an Gesprächsführung, Krisenintervention, Mitarbeiterführung u.a. Jedes Pflegeteam sollte regelmäßig oder bei Bedarf von einem Atmungstherapeuten unterstützt werden.

AirMediPlus: Was ist das Besondere an Ihrem Institut?

Manfred Vavrinek: Da wir ein kleines, unabhängiges Institut sind, das keiner Klinik oder Organisation verpflichtet ist, können wir unsere Schulungen individuell, bedarfsorientiert und überregional anbieten. Grundsätzlich arbeiten wir mit kompetenten Kooperationspartnern zusammen, Praxisrelevanz und -nähe spielen beim Unterricht eine erhebliche Rolle. EBN (evidence based nursing = auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Pflege) ist in unseren Schulungen implementiert. Darüber hinaus bietet die IpW GmbH nichts an, von dem wir nicht überzeugt sind – so wird es beispielsweise auch in Zukunft den „kleinen Kurs“ mit seinen 80 Stunden bei uns nicht geben.

AirMediPlus:Wo sehen Sie die Entwicklung in der außerklinischen Beatmungspflege?

Manfred Vavrinek: Durch den medizinischen Fortschritt und demografischen Wandel gibt es immer mehr Patienten. Der Pflegenotstand verschärft sich – darunter wird die Qualität, die in der außerklinischen Beatmungspflege geboten wer den kann, leiden. Eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung ist der Schlüssel für eine patientengerechte professionelle Versorgung. Hoffentlich reagieren die Pflegedienste und die Kontrollinstanzen in Zukunft entsprechend.

AirMediPlus:Was möchten Sie noch hinzufügen?

Manfred Vavrinek: Unser nächstes Projekt ist die Implementierung einer E-Learning-Plattform in das IpW- und DGpW-Schulungskonzept. Hier bekommen die Kursteilnehmer die Möglichkeit, sich auf Unterrichtsthemen vorzubereiten und ihr Wissen online zu überprüfen.

AirMediPlus: Herzlichen Dank für das Gespräch.