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mb - 04.05.2012

Fachpflegerische Versorgung in der außerklinischen Beatmungspflege „Nur qualifizierte Mitarbeiter können eine optimale Versorgung zu Hause gewährleisten.“

Mit Hilfe der modernen Medizin können heute Krankheiten und Unfallfolgen, die früher in ihrem Verlauf unbeeinflussbar waren, behandelt werden. Daher hat auch die außerklinische Versorgung von beatmungspflichtigen Patienten in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen. Diese stellt hohe Anforderungen an das Pflegepersonal in der ambulanten Pflege.

Ramona Förster, Pflegedienstleitung für die außerklinische Beatmungs- und Intensivpflege bei der Familien- und Krankenpflege Bochum, kennt die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kunden. Zurzeit betreuen über 310 examinierte Pflegekräfte aus ihrer Abteilung alleine in Bochum 26 Erwachsene und 21 Kinder rund um die Uhr. „Nur qualifizierte Mitarbeiter können eine optimale Versorgung zu Hause gewährleisten. Die außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege stellt hohe Anforderungen an die Pflegekräfte. Der Kunde lebt trotz eines Handikaps, beispielsweise mit einem Tracheostoma, zu Hause in seinem häuslichen Umfeld. Hier muss sich die Pflege an den Kunden an passen und nicht umgekehrt“, sagt die Pflegeexpertin.

Der Mensch im Mittelpunkt

Die Pflege der Familien- und Krankenpflege Bochum ist ganzheitlich ausgerichtet. Der Mensch steht hier im Mittelpunkt. Die pflegerische Versorgung soll ein selbstbestimmtes Leben des Kunden unterstützen. Heimbeatmung heißt in der Regel Langzeitbeamtung, deshalb führen die Pflegekräfte keine defizitorientierte Pflege durch, sondern fördern die Ressourcen der Kunden. „Jeder noch so kleine Fortschritt kann für den Kunden einen immensen Vorteil bedeuten, deshalb müssen die Mitarbeiter gut geschult sein, um der Situation entsprechend reagieren zu können“, resümiert Förster. Wie sieht die examinierte Pflegekraft aus, die sie für ihre Abteilung benötigt? „Sie sollte eine dreijährige Ausbildung im Pflegebereich, also in der Alten-, Kranken- oder Kinderkranken pflege haben, eine hohe soziale Kompetenz und Fachkenntnisse in der Medizintechnik beziehungsweise Interesse daran haben. Die Pflegekraft sollte außerdem Freude am Beruf und im Umgang mit Menschen haben. Wichtig ist aber auch, dass sie Einfühlungsvermögen besitzt und Berufserfahrung in Pflegeleistungen hat, die mit der Beatmung zusammenhängen. Darüber hinaus sollte sie in der Lage sein, Krankenbeobachtung zu leisten, Krankheitsverläufe richtig einzuschätzen und entsprechend reagieren können. Weitere Voraussetzungen sind, dass sie Entscheidungen treffen kann und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Kunden pflegt.“

Anforderungen an die außerklinische Beatmung

Förster beschäftigt in ihrer Abteilung ausschließlich dreijährig ausgebildete, examinierte Pflegekräfte, zum Teil mit Zusatzausbildung in der Intensivpflege für Erwachsene oder in der Kinderintensivpflege. Leitende Pflegekräfte, welche die Zusatzausbildung nicht haben, werden nach den Richtlinien der DIGAB entsprechend weitergebildet. Die Fortbildung „Fachpflegekraft für Außerklinische Beatmungspflege“ ist für dreijährig ausgebildetes Pflegefachpersonal auf die Anforderungen der außerklinischen Beatmung ausgerichtet. Die Fortbildung orientiert sich an der aktuellen S2-Leitlinie der DIGAB. Herausgeber der Richtlinie ist die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Doch was beinhaltet die S2-Leitlinie genau? Die S2-Leitlinie spricht Empfehlungen für die Versorgung von beatmeten Patienten im außerklinischen Bereich aus. Dazu gehört die Ausbildung und Qualifikation von Mitarbeitern. So benennt die Leitlinie zum Beispiel die Kriterien für die Ausbildung zur Fachpflegekraft sowie deren einheitliche Qualifikation. Weitere Themen sind Überleitungsmanagement, Zusammensetzung des außerklinischen Betreuungsteams, erforderliche Medizintechnik, Geräteeinweisung durch einen Geräteprovider, ärztliche Betreuung, die Rolle des Beatmungszentrums bzw. Krankenhauses bei der weiteren Versorgung sowie Überwachung und Dokumentation der Geräteeinstellung.

Fachpflegekraft für Außerklinische Beatmungspflege

Die Fortbildung „Fachpflegekraft für Außerklinische Beatmung“ beinhaltet theoretische Unterrichtstunden, beatmungsbezogene Themen wie Beatmungsformen, Beatmungsmodi, Beatmungszugänge, Gerätekunde, spezielle Krankheitslehre und damit zusammenhängende Besonderheiten unter Beatmungssituation, Trachealkanülenmanagement und Sekretmanagement. Zusätzlich erfolgt eine praxisnahe Vertiefung in Praktika auf Weaning- oder Intensiveinheiten. „Derzeit werden zehn Mitarbeiter der Familien- und Krankenpflege Bochum zum Pflegeexperten geschult. Sie erhalten nach Abschluss der Fortbildung ein Zertifikat, das von der DIGAB anerkannt ist“, erklärt die Pflegeexpertin.

Der Kursaufbau ist von der DIGAB vorgegeben. Er ist berufsbegleitend und muss nach spätestens acht Monaten abgeschlossen sein. Die Fortbildung umfasst ein internes Praktikum mit praktischer Anleitung, ein externes Praktikum in einem Beatmungs- oder Weaningzentrum mit praktischer Anleitung sowie eine theoretische fachspezifische Schulung.

„Selbstverständlich sind auch alle anderen Mitarbeiter angehalten, sich regelmäßigen Schulungen zu beatmungsspezifischen Themen zu unterziehen. So werden Fortbildungspläne halbjährlich im Voraus erstellt und intern angeboten“, so Förster. Das Fortbildungsangebot der Familien- und Krankenpflege Bochum ist vielfältig. Im letzten Jahr konnten alle Mitarbeiter unter anderem an Fortbildungen wie Notfallmanagement in der Heimbeatmung, Besonderheiten in der Beatmungspflege am Beispiel der Neuromuskulären Erkrankungen, Arten von Trachealkanülen und Richtlinien beim Umgang mit ihnen, Hygienerichtlinien in der Beatmungspflege im häuslichen Umfeld, Gerätekunde, Grundlagen zur Physiologie und Anatomie der Atmung und Beatmung, Grundlagen zur Beatmung oder Beatmungsformen und Beatmungsparametern teilnehmen.

Feingefühl sensibilisieren

Die Pflege nach neuesten wissenschaftlichen Standards und anhaltend guter Qualität wird bei dem pflegerischen Personal der Familien- und Krankenpflege Bochum groß geschrieben. „Kunde ist nicht gleich Kunde! Jeder fühlt sich anders wohl, und er hat auch individuelle Bedürfnisse. Deshalb schulen wir unsere Mitarbeiter in unterschiedlichen Richtungen“, konstatiert die Abteilungsleiterin. „Neben den bereits angesprochenen medizinischen Themen bieten wir auch Fortbildungen wie ‚Basale Stimulation’ an.“ Hier sollen die Sinne der Kunden anregt werden. Kommunikation mit ihnen und ihren Angehörigen soll so aufgebaut werden.

Die Fortbildung „Umgang mit anspruchsvollen Kunden“ soll die Sinne des examinierten Pflegepersonals schärfen, die Kommunikation mit „schwierigen“ Kunden soll verbessert werden. Regelmäßig werden außerdem Führungskräfte geschult. Ramona Förs ter: „Ohne die Mitarbeit und Unterstützung unseres Pflegepersonals wäre die von der Familien- und Krankenpflege Bochum angestrebte Qualität nicht leistbar. Die Anerkennung ihrer erbrachten Leistungen ist uns daher ein besonderes Anliegen. Selbstverständlich können unsere Mitarbeiter an der Themenauswahl der Fortbildung sowie an deren Gestaltung mitwirken.“

 

Ramona Förster arbeitet seit 2009 als Pflegedienstleitung für außerklinische Beatmungs- und Intensivpflege sowie als Abteilungsleitung für ZIP (einen Pflegedienst für zeitintensive Pflege) bei der Familien- und Krankenpflege Bochum.

Förster ist seit 1981 in der Pflege tätig. Sie absolvierte eine dreijährige Zusatzausbildung zur Fachschwester für Anästhesie und Intensivpflege während ihrer zehnjährigen Tätigkeit auf einer Intensivstation in einem Krankenhaus in Erfurt. Anschließend über nahm sie die pflegerische Verantwortung beim Aufbau eines Beatmungs- und Weaningzentrums im Erfurter Klinikum. Parallel dazu absolvierte sie eine Ausbildung zur Pflegedienstleitung.

Sie nahm an zahlreichen Fortbildungen im Bereich Pflegemanagement teil. Diese befähigten sie, als Pflegemanagerin im stationären Bereich an zwei Kliniken zu arbeiten.