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Beatmungspflegeportal - 09.08.2011

Expertenstandard Dekubitusprophylaxe

Immobile Patienten sind druckgefährdet und brauchen deshalb eine besondere Pflege. Für eine optimale Pflege und zur Vermeidung von Druckgeschwüren haben Pflegeexperten den Expertenstandard Dekubitusprophylaxe für Kliniken, Altenpflegeheime und ambulante Pflegedienste entwickelt. Auch die Familien- und Krankenpflege Bochum hat ihren Standard für Dekubitusprophylaxe in Anlehnung an die nationalen Expertenstandards des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) festgeschrieben, nach denen alle Pflegekräfte vor Ort arbeiten. Dieser ist mit weiteren Standards im Qualitätshandbuch festgehalten.


Der Expertenstandard Dekubitusprophy­laxe ist der erste Standard, der 2000 vom DNQP entwickelt wurde. Dieser wurde 2010 überarbeitet und aktualisiert. Das DNQP  legt bei der Implementierung des Standards den Kompetenzbereich der in den Gesundheitseinrichtungen tätigen Personen fest. So trägt die Managementebene Verantwortung für die Bereitstellung von Wissen. Diese Ebene sorgt außerdem dafür, dass Hilfsmittel und Materialien zur Verfügung stehen. Die Verantwortlichkeit der Pflegefachkräfte liegt im Erwerb von Wissen und dem Umsetzen des Standards im klinischen Alltag bzw. in der ambulanten Pflege. Werden alle Akteure einer Gesundheitseinrichtung mit eingebunden, lässt sich die Dekubitusinzidenz erfolgreich reduzieren.
 
Inhalte und formale Gestaltung

Der Standard für eine Dekubitusprophylaxe orientiert sich auch an international bewährten Standards und sollte laut DNQP folgende Aspekte berücksichtigen:

• kurze eindeutige Standardaussage
• inhaltliche Begründung
• messbare Strukturkriterien
• Prozess- und Ergebniskriterien
 
Das DNQP  hat die Zielsetzung des Standards wie folgt definiert. Danach soll der Standard eine individuelle Pflege gewährleisten, die sich bei Bedarf auch an Angehörige von Patienten bzw. Betroffenen richtet. Grundlage einer an individuellen Patienten-/Betroffenen-Bedürfnissen orientierten Pflege sind vor allem die

• theoriegeleitete Anwendung der Pflege­
   prozessmethode einschließlich der Be­
   wertung des Pflegeerfolges;
• Orientierung an körperlichen, psychi-
   schen, sozialen, seelischen und spirituel
   len Bedürfnissen;  
• aussagekräftige Dokumentation des
   Pflegeprozesses als wichtige Daten-
   quelle für die Qualitätsmessung;
• Zusammenarbeit mit den anderen
   Gesundheitsfachberufen.

Einschätzung des Dekubitusrisikos

Die Beurteilung des Betroffenen, bei dem eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann, wird systematisch noch vor Beginn des pflegerischen Auftrags vorgenommen. Liegen Einschränkungen der Aktivität vor? Ist der Betroffene bettlägerig? Ist ein Transfer z.B. vom Bett auf den Stuhl erforderlich? Gibt es eine äußerlich bzw. durch die medizinische oder pflegerische Behandlung bedingte Exposition gegenüber Druck? Dies könnte durch einen Dauerkatheter oder einer Magensonde hervorgerufen werden. Die Pflegekräfte müssen alle möglichen Ursachen für erhöhten Druck bzw. Ursachen für eine verlängerte Einwirkung von Druck oder Schwerkräften ermitteln. Die Einschätzung des Dekubitusrisikos erfolgt danach in regelmäßigen Abständen sowie bei Veränderung der Mobilität. Eine Beurteilung wird mit Hilfe der Bradenskala durchgeführt. Betroffene sind über die Art und den Umfang der Dekubitusgefährdung, die Ursache der Gefährdung und über die geplanten Maßnahmen zu informieren. Sie sollten außerdem die Möglichkeit haben, bei den Pflegemaßnahmen mit einzugreifen. Eine differenzierte Dekubituseinschätzung ist dann vorzunehmen, wenn ein Dekubitusrisiko nicht auszuschließen ist. Die Pflegekräfte nehmen in diesem Fall eine Hautinspektion vor. Dabei sollte subjektive Wahrnehmungen von Seiten des Patienten, wie zum Beispiel Schmerzen und oder wahrgenommene Druckempfindlichkeit mit berücksichtigt werden. Hautinspektionen müssen in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.
 
Aktive und passive Bewegungsförderung

Primäres Ziel der Dekubitusprophylaxe ist die Druckentlastung und die Druckverteilung.

Liegt ein erhöhtes Dekubitus-Risiko vor, müssen Maßnahmen in einem so genannten Bewegungsplan festgehalten werden. Darin muss aufgeführt sein, in welchen Abständen die Patienten gelagert oder Maßnahmen zur Mobilisierung durchgeführt wurden. Die Wirksamkeit der Maßnahme muss entsprechend evaluiert sein. Die Pflegekräfte sollten haut- und gewebeschonende Bewegungs-Lagerungs- und Transfertechniken beherrschen. Sie sollten Betroffene auch zur Eigenbewegung animieren.

Stellen Pflegekräfte fest, dass eine Bewegungsförderung nicht ausreicht, müssen unverzüglich druckreduzierende Hilfsmittel bzw. Unterlagen (z.B. Spezialbetten, Auflagensysteme oder Spezialmatratzen) eingesetzt werden.
 
Diagnostische Beurteilung von einem Dekubitus

Haben Betroffene bereits einen Dekubitus, müssen die Pflegekräfte in der Lage sein, die aktuell gültige EPUAP-Klassifikation vorzunehmen. Zudem müssen Lokalisation, Größe und Schmerzen beurteilt und eine adäquate Versorgung eingeleitet werden. Je nach Schwere des Dekubitus sind entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Dies kann zum Beispiel das Anlegen von Schaumverbänden, silberfreisetzende Wundauflagen oder Hydrogelverbände (Coloplast) beinhalten. In jedem Fall ist der Rat eines Wundexperten hinzuzuziehen. Alle Maßnahmen der Dekubitusprophylaxe müssen ausreichend dokumentiert werden, um ein Wundliegen zu verhindern. Auch die Maßnahmen, die durch die Betroffenen oder durch Angehörige durchgeführt werden, sollten in der Dokumentation aufgeführt werden.