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Beatmungspflegeportal - 22.11.2010

"Der bunte Kreis"

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt erkranken oder verunglücken jedes Jahr allein in Deutschland an die 50.000 Kinder schwer. Dazu kommen über 25.000 Früh- und Risikogeborene pro Jahr. Doch dieses Schicksal betrifft nicht nur die kleinen Patienten, sondern auch ihre Familien: Vor allem Eltern und Geschwisterkinder sind erheblichen seelischen, sozialen und finanziellen Belastungen ausgesetzt.

„Hier beginnt  die Nachsorgearbeit nach dem Modell Bunter Kreis“, erklärt Jacqueline Gräubig, Assistentin der Geschäftsführung des Bundesverbands Bunter Kreis e.V. „Unsere Nachsorgeeinrichtungen arbeiten mitinterdisziplinären Teams, die je nach Erkrankung Hilfe anbieten. Angefangen beim Übergang aus der Klinik nach Hause, über die Begleitung des Patienten bis zur kompletten Genesung.“ Nachsorge Einrichtungen nach dem Modell des Bunten Kreises unterstützen Familien auf ihrem oft jahrelangen Weg von der Erkrankung bis zur Genesung des kleinen Patienten oder helfen, mit der chronischen Erkrankung oder Behinderung zu leben. Schwerpunkte der Nachsorge liegen beim Übergang von der Kinderklinik ins heimische Kinderzimmer und beim Leben mit chronischen Krankheiten und Behinderungen. Unterstützt werden krebs-, chronisch und schwerstkranke Kinder und Jugendliche sowie Früh- und Risikogeborene mit ihren Familien, die unter medizinischen und psychosozialen Belastungen leiden bzw. deren Behandlung aufwändig koordiniert werden muss. Auch Familien, die ein Kind nach schwerer Krankheit oder Unfall verlieren, werden begleitet. „Unsere Teams setzen sich aus einem Arzt, einer examinierten Kinderkrankenschwester, einem Diplomsozialpädagogen und einem Psychologen zusammen“, sagt Gräubig. Nachsorge will, ergänzend zur modernen Medizintechnik, organisatorische, psychosoziale, praktische und im Einzelfall auch finanzielle Hilfen anbieten. Schwerpunkte sind: Sicherung und Verbesserung des Behandlungserfolgs, Verkürzung, ggf. Vermeidung von stationären Aufenthalten, Förderung der individuellen Krankheitsbewältigung, Förderung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Integration der Krankheit im Alltag. In der Öffentlichkeitsarbeit wird zusätzlich das Bewusstsein für die Lebenssituation der Betroffenen und die Notwendigkeit der Nachsorge gefördert. Der Qualitätsverbund Bunter Kreis wurde 1996 gegründet, weil ein gemeinsames Forum für die zunehmende Zahl an Nachsorgeeinrichtungen in Deutschland wichtig ist. Für Jaqueline Gräubig liegen die Vorteile klar auf der Hand: „Der Qualitätsverbund dient dem Erfahrungsaustausch und dem wechselseitigen Lernen. Alle Mitglieder sollen gleichermaßen über neue Entwicklungen informiert werden und selbstaktiv zur weiteren Entwicklung der Nachsorge beitragen. Er ist die Plattform für alle verbindlichen Inhalte, für Fortbildung und Qualifizierung. Er bietet die Akkreditierung einer Nachsorgeeinrichtung nach Qualitätsstandards auf Basis des Handbuchs „Pädiatrische Nachsorge“ und stellt damit eine überregionale qualitative Gleichwertigkeit und Effizienz der Nachsorgeleistungen sicher.“ Mitglied im Qualitätsverbund können nur Nachsorgeeinrichtungen werden, die nach dem Modell Bunter Kreis arbeiten. Für Einzelpersonen und andere Einrichtungen, welche die Nachsorge fördern wollen, steht die Gesellschaftsozialmedizinische Nachsorge in der Pädiatrie offen. Derzeit besteht der Qualitätsverbund aus 60 Mitgliedern bundesweit, Stand Juni 2010. Der Bunte Kreis Augsburg begann 1990 mit dem Aufbau der Nachsorge für krebs-, chronisch- und schwerstkranke Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien. Zu Beginn wurde die Nachsorge vorrangig von Kinderkrankenschwestern durchgeführt,1996 konnte die sozialpädagogische Arbeit durch die Finanzierung über die Erste Stufe der Behindertenhilfe, ein Teil der offenen Behindertenhilfe in Bayern, ausgebaut werden.1998 kam es zum ersten Vertrag mit den regionalen Krankenkassen, so dass anschließend Nachsorgeleistungen der Pflege, Sozialpädagogik, Psychologie und Diätetik in Rechnung gestellt werden konnten. Die Verbreitung des Nachsorgemodells Bunter Kreis in Deutschland erforderte es einerseits, die Effektivität und Effizienz nachzuweisen sowie anderseits, eine bundesweite Abrechnungsmöglichkeit für die Nachsorge zu schaffen. Das beta Institut gemeinnützige GmbH führte zusammen mit dem Bunten Kreis, der Universität Augsburg und der Unikinderklinik Bonn die notwendigen Studien zur Effektivität und Effizienz der Nachsorge durch und brachte die Gesetzesinitiative zur Nachsorge ein.2004 wurde im Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) der Paragraph § 43,Abs.2 SGB V Sozialmedizinische Nachsorge aufgenommen.