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Beatmungspflegeportal - 19.03.2013

Bergisches Lungenzentrum Wuppertal: Stufenweise zur Entwöhnung durch überlegte Organisationsstruktur und Networking im außerklinischen Bereich

Mit einer in sich gegliederten Intensiv- und Beatmungsstation, die in einzelnen Stufen von der Intensivstation bis hin zur Entwöhnung von der Beatmung überleitet, begegnet das 2010 gegründete Bergische Lungenzentrum den speziellen Belangen von Beatmungspatienten. In dem Zentrum, das die Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin und die Klinik für Thoraxchirurgie des HELIOS Klinikums Wuppertal zusammen betreiben, arbeiten Ärzte, Pfleger und der Patienten-Service mit weiteren Fachabteilungen des Klinikums zusammen. Dabei weist sich die Beatmungsstation im Speziellen durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Geräteprovidern sowie ein breites Netzwerk zu Anbietern von außerklinischer Fachpflege und ambulant tätigen Ärzten in der Umgebung aus.

Die einzelnen Zimmer teilen sich entlang eines gestreckten Flurs entsprechend einer dreigliedrigen Struktur hintereinander auf, welche auf der Idee der „drei Stufen der Beatmungsmedizin“ in der Pneumologie basiert. So gliedert sich die Intensiv- und Beatmungsstation in: Stufe 1: Eine pneumologische Intensivstation für schwere Fälle – mit 15 Betten. Stufe 2: Einen Intermediate-Care-Bereich (IMC) für Patienten, die auf Heimbeatmung neu eingestellt werden und überwachungspflichtig sind – mit 6 Betten. Stufe 3: Einen Entlassungsbereich der Beatmungsstation für Patienten, die kurz vor der Entlassung stehen – mit 7 Betten.
„Daneben zählen 12 Betten des Schlaflabors sowie 39 Betten in einer normalen Station zum Lungenzentrum. Das Schlaflabor, wo schlafbezogene Atmungsstörungen (sowie sonstige Schlafstörungen) behandelt werden, ist dabei als komplementärer Bereich der Beatmungsstation zu verstehen, da z.B. Schlafapnoe-Patienten mit Verschlechterungen ihrer Krankheit in die Beatmungspflicht übergleiten – oder es müssen einzelne Patienten der Beatmungsstation zu Kontrollen ins Schlaflabor“, erläutert der Chefarzt der Klinik, Prof. Dr. Kurt Rasche (53). Aktuell behandelt das Lungenzentrum rund 200 Beatmungspatienten jährlich.

Breite fachliche Aufstellung und spezialisiertes Angebot

Damit ist die Beatmungsstation spezialisiert auf die Behandlung von chronischen Lungenerkrankungen (COPD und Asthma), auf die Entwöhnung vom Beatmungsgerät und die Einstellung auf eine häusliche Beatmung. Gleichfalls fallen durch die Kooperation des Lungenzentrums mit anderen Schwerpunkt- und Intensivstationen des HELIOS-Klinikums auch weitere Krankheitsbilder in ihren Relevanzrahmen. In einer engen Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurologie behandelt das Lungenzentrum häufig Patienten mit Multipler Sklerose (MS) oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die beatmungspflichtig sind oder im Verlauf der Krankheitsentwicklung werden. Gleichfalls seltener werden etwa auch Patienten mit hypoxischen Hirnschäden, Stoffwechselerkrankungen, Morbus-Pompe, Polio-Syndrom oder spinalen Muskelatrophien – um nur einige zu nennen – auf eine Beatmung eingestellt bzw. entwöhnt, erklärt die Leiterin des Bereichs Beatmungsmedizin, Oberärztin Yvonne Meyer (39).
Bei COPD-Patienten arbeitet das Lungenzentrum häufig mit turbinengesteuerten Geräten – sowohl bei Intensiv-Respiratoren, als auch bei Heimbeatmungsgeräten – welche deren besondere Belange berücksichtigen. Um den Problemen lungenkranker Patienten individuell begegnen zu können, ist das Pflegepersonal zudem mit der Bedienung verschiedener Heimbeatmungsgeräte vertraut und arbeitet so mit unterschiedlichen Geräte-Providern zusammen.

Bedachter Einsatz innovativer Behandlungsmöglichkeiten

Ein zentraler Punkt auf der Station sei es, so Oberärztin Meyer, gemeinsam mit den Patienten und Angehörigen ihre aktuelle Situation zu definieren, Ziele zu stecken und in der Ableitung relevante Verfahren in allen Schattierungen anzubieten – aber auch zu akzeptieren, wenn ein Patient sagt: „Da möchte ich nicht hin“. Zugleich sei es in diesem Zusammenhang wesentlich, mögliche Behandlungsverfahren stets in sinnvoller Weise anzubieten – wie  etwa das innovative Lungenunterstützungs verfahren ILA, das den Kohlendioxid- und Sauerstoffaustausch im Körper ganz ohne Intubation und Beatmungsgerät regelt. Dieses sogenannte extrakorporale Verfahren fällt in den Zuständigkeitsbereich der Chefärztin der allgemeinen Intensivmedizin am Klinikum, Frau Dr. Wöbker. Die Auswahl geeigneter Patienten erklärt Prof. Dr. Rasche wie folgt: Es sei nur dann sinnvoll, wenn sicher davon ausgegangen werden kann, dass der Patient wieder entlassungsfähig wird, und wenn er zuvor in seinem Maße gut am Leben teilgenommen hat. Denn das Verfahren ist sehr aufwendig und invasiv. Es eignet sich insbesondere für Patienten, die für eine Lungentransplantation gelistet sind und deren gesundheitlicher Zustand sich während der Wartezeit verschlechtert. Daneben kann das Verfahren in Einzelfällen vorübergehend eingesetzt werden bei (sonst) beatmeten Patienten, etwa im Zuge einer akuten gesundheitlichen Verschlechterung – um einen vorübergehenden Totalausfall der Lunge zu kompensieren.

Schrittweise zum erfolgreichen Weaning und Übergang in den außerklinischen Bereich

„Hinsichtlich des durchschnittlichen Erfolgs beim Weaning lässt sich festhalten, dass anteilig und zunehmend mehr Patienten von invasiver Beatmung auf Maskenbeatmung umgewöhnt werden können“, erläutert Oberärztin Meyer. Während des Weaning-Prozesses seien gleichfalls viele Faktoren entscheidend. „Wichtig ist es, einem Patienten, während er stufenweise von der Intensivstation zur Heimbeatmung übergeht, den Gedankenschritt zu vermitteln, dass er in die Eigenständigkeit geht“, so die Oberärztin weiter. Dazu ist es etwa wesentlich, dass das Pflegepersonal im IMC-Bereich nur unterstützend zur Seite steht, während der Patient übt, die Beatmung selbstständig mit seinem speziellen Gerät durchzuführen – so wie später zu Hause. Wo der Schritt in die Eigenständigkeit nicht gelingt, vermittelt die Klinik zu einer außerklinischen Fachpflege, die die Bedienung des Gerätes übernimmt. So besteht ein Netzwerk zu verschiedenen Beatmungspflege-Heimen und -Diensten in der Region. Gleichfalls kommen ehemalige Patienten des Lungenzentrums auch nach der Entlassung zu Kontrollen oder zum Weaning zum Zentrum und können bei Problemen stets nachfragen. Ebenso vermittelt die Klinik ihr Netzwerk zur Aeoroprax-Praxis in Wuppertal, einem Zusammenschluss von mehr als zehn niedergelassenen Pneumologen, von denen einige zuvor in der Klinik in Wuppertal gearbeitet haben.

Qualifiziertes Team um erfahrenen Chefarzt

Aktuell arbeiten ein Atmungstherapeut, ein Logopäde, ein Ergotherapeut, drei Physiotherapeuten, fünf Fachärzte und 15 Assistenzärzte sowie Pflegepersonal mit unterschiedlichen Weiterbildungen am Lungenzentrum. Chefarzt Rasche (Arzt für Innere Medizin mit dem Schwer punkt Pneumologie, Intensiv medizin, Allergologie und Schlafmedizin) arbeitet seit der Eröffnung in 2010 hier. Zuletzt arbeitete er neun Jahre als Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin – Schwer punkt Pneumologie – in den St. Antonius Kliniken in Wuppertal. Zuvor war er viele Jahre in der Universitätsklinik Berg mannsheil tätig. Der Chefarzt engagiert sich auch bei mehreren Patientenorganisationen und -zeitschriften als wissenschaftlicher Beirat oder Schirmherr. Sei ne Motivation: „Das Wichtigste ist der Patientenkontakt. Patienten haben ein enormes Informationsbedürfnis und sind froh, wenn sie uns zum Anfassen haben – auch außerhalb
von Sprechzeiten und der Klinik.“

HELIOS Klinikum Wuppertal
Klinikum der Universität
Witten/Herdecke
Bergisches Lungenzentrum/Klinik für
Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und
Beatmungsmedizin
Direktor: Prof. Dr. med. Kurt Rasche
Heusnerstraße 40
42283 Wuppertal
Telefon 0202 • 896 39 02
Telefax 0202 • 896 39 01
kurt.rasche@helios-kliniken.de
www.helios-kliniken.de


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