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Beatmungspflegeportal - 01.11.2012

MAIK 2012 - Ein Rückblick

Der MAIK Münchner außerklinischer Intensiv Kongress® am 26. und 27. Oktober 2012 im Holiday Inn Hotel Munich City Centre war ein voller Erfolg. Die beiden Kongresspräsidenten Jörg Brambring und Christoph Jaschke begrüßten rund 700 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet. „Der diesjährige Kongress mit der begleitenden Industrieausstellung hat all unsere Erwartungen übertroffen“, so Christoph Jaschke.

Der MAIK, eines der größten Netzwerktreffen der außerklinischen Intensivversorgung, bot hervorragende Referate und Workshops und gab den Teilnehmern die Möglichkeit, viele Gespräche miteinander zu führen. Ministerialdirigentin Gabriele Hörl, Leiterin der Abteilung „Gesundheit, Gesundheitspolitik und Krankenversicherung“ übermittelte die Grüße des Schirmherrn des MAIK, Dr. Marcel Huber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Gesundheit. Sie sprach den Pflegekräften ihren Dank und höchste Anerkennung für ihre Leistung aus und betonte, dass die Wertschätzung und Attraktivität des Pflegeberufs in der Bevölkerung gesteigert werden müsse.

Das erste Impulsreferat hielt Ottmar Miles-Paul, Beauftragter für die Belange behinderter Menschen in Rheinland-Pfalz. Sein Thema war der Weg zur Inklusion. „Als 2008 der erste MAIK stattfand“, so der Redner, „war die UN-Behindertenkonvention in Deutschland noch nicht in Deutschland angekommen. Der MAIK hat einen großen Anteil an der Umsetzung der Konvention.“ Er betonte, wie wichtig es sei, dass Menschen, die beatmet werden, nicht vergessen würden. Zum Glück habe man erkannt, dass Menschen, die sich nicht verbal mitteilen können, etwas zu sagen und zu schreiben haben. Er rief zur Förderung unterstützter Kommunikation auf, damit nicht verloren gehe, was diese Menschen der Gesellschaft mitzuteilen hätten. Am Ende seines mitreißenden Vortrags übergab er symbolisch den beiden Kongresspräsidenten und allen Anwesenden einen „Staffelstab“ für den weiteren gemeinsamen Weg zur Inklusion.
 
Die beiden Kongresspräsidenten begrüßten des weiteren den österreichischen Behindertenbeauftragten der ÖVP, Dr. Franz-Joseph Huainigg, der über den „Kampf beatmeter Menschen für Inklusion, Chancengleichheit und Zukunftsperspektiven referierte. Eines der vielen Kinderbücher des Politikers und Medienpädagogen wurde beim MAIK erstmals in einer Printversion angeboten. In „Papa schläft ...“ erklärt der Autor, der selbst beatmet wird, Kindern den komplexen Vorgang einer künstlichen Beatmung. Das Kinderbuch kann bei der Heimbeatmungsservice Brambring Jaschke bestellt werden und kostet 5 Euro.

Eine weitere Überraschung bei diesem Kongress war die erstmalige Verleihung des MAIK-Awards. Unter den eingegangenen Bewerbungen entschied sich die Jury, bestehend aus den beiden Kongresspräsidenten und dem Wissenschaftlichen Beirat, für Jo Börgel. Der Unternehmensgründer der BÖRGEL GmbH in Limburg unterstützt und organisiert ehrenamtlich neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer seit vielen Jahren soziale Projekte in osteuropäischen Ländern und Menschen mit Beatmungspflichtigkeit. Aus der Hand von Christoph Jaschke nahm Börgel den MAIK-Award entgegen, den der bekannte Münchner Künstler Johannes Brunner eigens für diesen Zweck kreiert hat. Auch das MAIK-Quiz und die Diskussion konkreter Fallbeispiele hatten - wie sämtliche Referate - großen Zulauf.

Ein ganz besonderes Highlight des MAIK war die Podiumsdiskussion „Ambulant betreute Wohngemeinschaften“ - eine sinnvolle Alternative? unter der Moderation des MDR-Journalisten Heiner Hoffmann. Lebhaft diskutierten - unter Einbeziehung der zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer - Snezana Conic, Geschäftsführerin der Fero Medik Intensivpflegedienst GmbH in München, Werner Fulle, Vertriebsleiter WKM Werkstatt für Körperbehinderten-Hilfsmittel, Orthopädie, Reha- und Medizintechnik GmbH in München, Dr. jur. Johannes Groß M.A., Fachanwalt für Sozialrecht und Familienrecht in Berlin, Rechtsanwältin Anja Hoffmann LL.M.Eur., Landesbeauftragte bpa, Landesgeschäftsstelle Berlin-Brandenburg, Diana Karina Schieskow, die selbst in einer Beatmungs-WG lebt und Dr. med. Matthias Wiebel von der Thoraxklinik-Heidelberg miteinander. Die Eröffnung von Wohngemeinschaften beurteilten sie positiv, auch wenn die 1:1-Versorgung in der außerklinischen Intensivversorgung die besten Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben bietet. Ein Grund für die Eröffnung so vieler Wohngemeinschaften ist der eklatante Fachkräftemangel. Diskutiert wurde auch die Frage, was getan werden muss, damit Wohngemeinschaften in ihrem Wohnumfeld gut aufgenommen werden. Dies ist, wie sich herausstellte, regional sehr unterschiedlich. Es gilt, die außerklinische Intensivversorgung in der Öffentlichkeit bekannter zu machen und Ängste abzubauen. Wie segensreich es für die Betroffenen und die Angehörigen ist, wenn sie in den „guten Händen“ von qualifizierten Pflegekräften sind, erkennen die meisten erst, wenn sie selbst in diese Situation kommen. Die Vorstellung von Best Practice, wie sie während des MAIK stattfand, ist einer der Wege, mehr Interesse und Verständnis für die außerklinische Intensivversorgung zu wecken. Als ein großes Problem wurde einhellig genannt, dass die Qualität der Pflege zu wenig kontrolliert wird und es immer wieder „schwarze Schafe“ in der Branche gibt. Die Betroffenen und Angehörigen müssen offen Mängel und Fehler ansprechen, wenn sie mit ihrem Pflegedienst nicht zufrieden sind. Tenor der Diskussion war, dass es zu den Wohngemeinschaften keine Alternative gibt, sie sind eine sehr gute Wohnform, denen die Zukunft gehört. Da die Qualität entscheidend ist, sprachen sich die Teilnehmer jedoch für ein strenges Kontrollsystem aus. Der Moderator dankte allen Teilnehmern und erklärte sich bereit, die Diskussion über Wohngemeinschaften gerne auch per Mail fortzusetzen. Vonseiten der Leistungserbringer hat die Heimbeatmungsservice Brambring Jaschke GmbH kürzlich eine ethische Selbstverpflichtung herausgegeben, zu deren Unterzeichnung die Organisatoren des MAIK aufriefen.

Um einige Themen des MAIK während des kommenden Jahres zu vertiefen, wird die IHCC bis zum nächsten MAIK in den Bereichen Hygiene und Sozialrecht Updates anbieten. Die Termine sind bereits auf www.ihcc.mobi eingestellt, die Anmeldung ist ab sofort möglich. Die beiden Kongresspräsidenten dankten allen, die zum Gelingen des MAIK beigetragen haben und der Medizintechnik, die durch ihr Engagement den MAIK möglich gemacht hat.

Der 6. MAIK findet am 8. und 9. November 2013 wieder im Holiday Inn Hotel Munich City Centre statt und wird aufgrund der überwältigenden Nachfrage deutlich größer und weiträumiger ausgelegt werden. Auf www.maik-online.org werden alle Informationen während des Jahres eingestellt.