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Beatmungspflegeportal - 15.02.2012

Hygiene in der außerklinischen Beatmungs- und Intensivpflege am Beispiel des Tracheostomas

Wie wichtig Hygienemaßnahmen im Umgang mit Menschen sind, zeigt die Aktion „Save Lives: Clean your Hands“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Seit drei Jahren ruft die Organisation am Welthygienetag zum Mitmachen auf. Denn die meisten Keime werden über die Hände übertragen.

Die Versorgungsanfragen für ambulante Intensivpflege sind bundesweit in den letzten Jahren gestiegen. Gründe dafür sind unter anderem die fortschreitende medizinische Entwicklung, die Zunahme chronischer Erkrankungen, der demographische Wandel sowie die kürzere Verweildauer von Patienten in den Kliniken. Auf den wichtigsten Hygienestandard, nämlich das Händewaschen, wird auch in der außerklinischen Beatmungs- und Intensivpflege besonders geachtet. Werden Menschen mit Atemwegserkrankungen ambulant betreut, sind diese in der Regel in der Immunabwehr geschwächt. Besonders Menschen, die invasiv beatmet werden müssen, sind sehr anfällig. Hygienepläne sollen ein Infektionsrisiko minimieren. Nach dem TRBA 250 (Technische Regeln für biologische Arbeitsstoffe) sind Hygienepläne an die betrieblichen Gegebenheiten anzupassen. Hier geben unter anderem die DGKH (Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene) und das RKI (Robert-Koch-Institut) die Richtung vor. Die Arbeitsgruppe für Respiratorentwöhnung und Heimbeatmung der DIGAB publizierte schon 1995 Empfehlungen zur Hygiene. Sie plädiert für einen hygienischen und nicht sterilen Umgang bei beatmeten Patienten. Die Arbeitsgruppe konstatierte bereits damals, dass die Händedesinfektion vor und nach einer Tätigkeit an einem Patienten eine wichtige Maßnahme sei. Nach der Maßnahme könne beispielsweise das Absaugen durch eine Trachealkanüle unsteril erfolgen.

Hygienische Händedesinfektion
Händehygiene ist auch in der außerklinische Beatmungspflege unerlässlich. Im Fokus steht die hygienische Hände desinfektion. Vor Tätigkeiten, die aseptisches Arbeiten erfordern (z. B. Zubereitung von Medikamenten, Zubereitung der Sondenkost über PEG, Absaugen von Sekret aus der Trachealkanüle) ist die hygienische Händedesinfektion unerlässlich. Das Tragen von unsterilen Einmalhandschuhen wird ebenfalls empfohlen. Die hygienische Händedesinfektion mit Desinfektionsmittel ist vor und nach dem Ablegen von Einmalhandschuhen unerlässlich. Wie wird desinfiziert? Das Händedesinfektionsmittel wird in die Hohlhand gefüllt. Das Mittel wird 30 Sekunden lang in den trockenen Händen verteilt und gründlich eingerieben. Das Tragen von Einmalhandschuhen bei den Pflegemaßnahmen ersetzt die hygienische Hände - desinfektion nicht! Für die außerklinische Beatmungs- und Intensivpflege gelten außerdem noch weitere Hygienevorschriften, die im Folgenden am Beispiel der Pflege des Tracheostomas vorgestellt werden.

Pflege beim Tracheostoma
Heute werden immer mehr Patienten mit einem Tracheostoma nach Hause oder in andere geeignete außerklinische Wohnformen entlassen. Oft benötigen diese Patienten Sauerstoff oder sie sind beatmet. Das Pflegepersonal muss hier bei der Pflege viele Dinge beachten. Es kann unter der Verwendung von Trachealkanülen zu Komplikationen wie Austrocknungen der unteren Atemwege, Entzündungen, Druckstellen, Lumenverlegung oder Aspirationen kommen. Hier sollte die Betreuung durch die Pflegekraft erfolgen, die entsprechend angeleitet worden ist. Die Tracheostomapflege ist von den Pflegekräften so durchzuführen, dass das Tracheostoma trocken, sauber und entzündungsfrei bleibt. Ist das Tracheostoma entzündungsfrei, kann die Hautregion um das Stoma herum täglich mit seifenfreiem Wasser mit frischen Waschlappen oder Einmaltüchern gereinigt werden. Inkrustierungen oder Sekretreste sind vor der Reinigung vorsichtig zu entfernen. Die Pflegekräfte sollten darauf achten, dass keine Flüssigkeit ins Tracheostoma läuft. Entsprechende Hautpflege in der unmittelbaren Hautumgebung des Stomas hilft, Hautläsionen vorzubeugen. Ein aseptischer Verbandswechsel sollte einmal täglich oder bei Bedarf durchgeführt werden, zum Beispiel, wenn der Verband oder das Fixierbändchen mit Speichel, Trachealsekret oder Waschwasser in Kontakt gekommen ist. Die einzelnen Schritte, die bei der Pflege eines Tracheostomas zu beachten sind, werden in hausinternen Standards festgelegt. Der Zustand des Tracheostomas ist entsprechend zu dokumentieren. Liegen Hautläsionen oder Entzündungen vor, ist der Arzt zu konsultieren. Bei MRSA-Infektionen ist besondere Vorsicht geboten. Hier sind die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts sowie die hausinternen Standards zu beachten.

Kanülenwechsel in Intervallen
Der Umgang mit Tracheostomata sowie mit Trachealkanülen stellt besondere Anforderungen an das Pflegepersonal. Dieses muss Maßnahmen zum Infektionsschutz ergreifen, da in unmittelbarer Hautumgebung eines Tracheostomas bzw. auch an der Trachealkanüle mit einer größeren Keimansiedlung zu rechnen ist. Der Wechsel der Trachealkanüle ist mit sterilen Handschuhen vorzunehmen. Vor und nach dem Anziehen der Handschuhe muss stets eine hygienische Händedesinfektion erfolgen. Bei den verwendeten Kanülen sollte es sich bei frischen Tracheostomata (2 bis 4 Wochen, je nach Empfehlung des Herstellers, auf Anordnung des Hausarztes bzw. nach Standards der Einrichtung) um steriles Einmalmaterial handeln. Welche Kanülenart eingesetzt wird, verordnet der Arzt. So ist beispielsweise mit Spezialkanülen unter Beatmung, soweit die Kehlkopffunktion intakt ist, das Sprechen möglich (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, DGP). Der Austausch der Kanülen sollte in individuell festgelegten Intervallen und bei Bedarf erfolgen. Die Arbeitsgruppe (AG) für Heimbeatmung und Respiratorentwöhnung e.V. weist darauf hin, dass Beatmungskanülen auch mehrfach verwendet werden können, sofern diese intakt sind. Die AG bezieht sich auf Herstellerangaben, die bei Kanülen von einer „Haltbarkeit“ von maximal 30 Tagen ausgehen. Sie empfehlen daher, gebrauchte Beatmungskanülen mit Spülmittel und fließendem Wasser zu reinigen.

Absaugen von Atemsekret
Wie wird bei beatmeten Patienten Sekret abgesaugt? Die Pflegekräfte saugen Sekret oral (aus der Mundhöhle), nasal (aus der Nase sowie aus dem oberen Rachenanteil) sowie endotracheal (unterer Rachenanteil, Lüftröhre sowie Sekret der Hauptbronchien über die Trachealkanüle) ab. Bei Kunden, die invasiv beatmet werden, wird endotracheal abgesaugt. Immer dann, wenn Sekretmenge, Sekretbeschaffenheit und Häufigkeit des Absaugbedarfes, Fähigkeit zum Hustenstoß usw. eine Trachealkanüle erfordern, muss endotracheal abgesaugt werden. Da Atemwegssekrete keimhaltig und infektiös sein können, sind beim Absaugen besondere Maßnahmen zum Personenschutz bzw. Infektionsschutz zu treffen. Höher ist der hygienische Aufwand bei Patienten, die über das Tracheostoma beatmet werden. Die Arbeitsgemeinschaft für Beatmung e.V. weist in ihren Empfehlungen auf die Wichtigkeit der Händedesinfektion vor der Maßnahme hin. Die Pflegekräfte sollten für das Absaugen von Atemwegssekret sterile Einmal-Absaugkatheter verwenden. Die se sollten nur einmal verwendet werden. Unsterile Handschuhe seien beim Absaugvorgang, so die Arbeitsgruppe, ausreichend. Auch beim Umgang mit Medizinprodukten, zum Beispiel bei Absauggeräten, sind Hygienemaßnahmen zu ergreifen. Hier sollten die Herstellerangaben berücksichtigt werden. Die Bedienung von Absauggeräten ist je nach Modell unterschiedlich. Nur in die Geräte eingewiesene Pflegekräfte sollten diese bedienen.