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Beatmungspflegeportal - 04.11.2016

Fazit des MAIK: Die außerklinische Intensivpflege ist auf einem guten Weg!

Der 9. MAIK Münchner außerklinischer Intensiv Kongress am 28. und 29. Oktober 2016, unter der Schirmherrschaft der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Frau Melanie Huml, hat sowohl bei den Mitwirkenden als auch bei den Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wie gut wäre es um die außerklinische Intensivpflege in dieser Republik bestellt, kämen all die Vorschläge, Ideen und Bekenntnisse zu Qualität und Qualifizierung, die beim MAIK zu hören waren, zum Tragen!

Aber so einfach ist die Realität leider nicht, und Vieles muss erst noch erstritten und erkämpft werden. So forderte Christa Stewens, Bayerische Staatsministerin a.D., in ihrem Impulsreferat dazu auf, an „der Politik“ dran zu bleiben und mit Forderungen nicht locker zu lassen. So bestehe bei vielen Themen wie beispielsweise der häuslichen Gewalt oder der adäquaten Versorgung von schwerstkranken Kindern nach wie vor großer Handlungsbedarf.

So sieht es auch Rüdiger Barth, der Gründer und Leiter des Kinder- und Jugendhospizes Balthasar in Olpe, der sich seit Jahrzehnten für Kinder und Jugendliche einsetzt. Er freute sich sehr über MAIK Award, den ihm die beiden Kongresspräsidenten, Jörg Brambring und Christoph Jaschke, überreichten. In seiner kurzen Dankesrede bedauerte es Barth, dass noch immer zwei Drittel der Arbeit von Hospizen für Kinder und Jugendliche aus Spenden finanziert werden müssten. Und seit der Abschaffung des Zivildienstes sei die Pflege leider fast nur noch weiblich.

Nach diesem Auftakt im vollbesetzten großen Saal des Holiday Inn Munich - City Centre begann das umfangreiche interdisziplinäre Kongressprogramm, das der Wissenschaftliche Beirat des MAIK über Monate konzipiert und das Christa Stewens wegen seiner großen Bandbreite ausdrücklich gelobt hatte. In den Vorträgen ging es u.a. um das Sozialrecht, die Entbürokratisierung der Pflege, Querschnittlähmung, das Undine-Syndrom, Hygiene sowie die außerklinische Beatmung bei Kindern und Erwachsenen. Erstmals wurde “Therapie” als Schwerpunktthema in Vorträgen und Workshops angeboten.

Neben zahlreichen Workshops der Industrie waren dieses Mal Gesprächs- und Diskussionsrunden zu brisanten politischen Themen auf der Tagesordnung, die allesamt auf besonders großes Interesse stießen. Denn keinen unter den Teilnehmenden aus Nah und Fern haben die negativen Meldungen über den Abrechnungsbetrug in der außerklinischen Intensivpflege kalt gelassen! Schon seit Jahren wird beim MAIK das Treiben einzelner „schwarzer Schafe“ thematisiert, erstmals in einem Gesetz taucht die außerklinische Intensivpflege jedoch erst jetzt auf, nachdem das finanzielle Ausmaß des Betrugs im April dieses Jahres durch das Bundeskriminalamt bekannt gemacht wurde. „Keine Krise ohne Chance“, sagte Elisabeth Scharfenberg, MdB, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in einer der Diskussionsrunden.

Die Diskussionsrunde „So konnte es nicht weitergehen! Abrechnungsbetrug in der Pflege. Greift die neue Gesetzgebung?“ moderierte Christoph Jaschke, zu der Kathrin Sonnenholzner, MdL, Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bayerischen Landtags, Oswald Utz, Stadtrat und ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Landeshauptstadt München, Dr. Stefan Schweitzer, Referat Umwelt und Gesundheit der Landeshauptstadt München und Dominique Labouvie, MDK Bayern, gekommen waren. Besonders aufschlussreich waren die Ausführungen des Leiters der Abteilung „Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen“ bei der Techniker Krankenkasse, Frank Keller. Nicht minder spannend waren die weiteren Diskussionsrunden zu Qualifizierung, zur generalistischen Ausbildung oder zur Ergänzungsvereinbarung.

Und immer mittendrin waren betroffene Menschen, die nach dem Leitspruch „Nicht über uns – ohne uns“ Stellung zu den einzelnen Themen bezogen. Viele von ihnen, aber auch pflegende Angehörige, kamen zu Wort und sagten, was für sie Pflege von hoher Qualität bedeutet. Immer klang jedoch auch die Frage an, was dieser Gesellschaft die Versorgung schwerstpflegebedürftiger Menschen tatsächlich wert ist. Denn nicht nur Kinderhospize, auch die außerklinische Intensivpflege, leidet unter massiven Kosteneinsparungen seitens der Leistungsträger. Obwohl viel Geld für die Versorgung außerklinisch beatmeter Kinder und Erwachsener ausgegeben wird, lassen sich die Bürger hierzulande beispielsweise eine Autoreparatur sehr viel mehr kosten als die Arbeit einer Pflegefachkraft in der ambulanten außerklinischen Pflege. Trotzdem waren viele Pflegende zum MAIK gekommen, die begeistert von ihrem pflegerischen Alltag berichteten. „Nach jedem Kongress meint man, es gebe keine Steigerung mehr“, so die beiden Kongresspräsidenten Jörg Brambring und Christoph Jaschke, „aber ein so großes Miteinander, ein so großes Engagement und so viel leidenschaftlich geführte Gespräche und Diskussionen haben wir noch nicht erlebt.“

Der MAIK, der schon Wochen vorher ausverkauft war, feiert im kommenden Jahr sein 10jähriges Bestehen und wird am 27. und 28.  Oktober 2017 stattfinden. Bis dahin ist viel zu tun, um nur einen Bruchteil der Impulse umzusetzen, die dieser Kongress gegeben hat. Dieser war eine Gemeinschaftsleistung aller Beteiligten sowie der Aussteller und Sponsoren. Ihnen sei an dieser Stelle ganz besonders gedankt. Mehr unter www.maik-online.org