Mittwoch 24.07.2019 10:42
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Beatmungspflegeportal - 10.05.2019

Fachtag außerklinische Intensivpflege in Bochum

Wo stehen wir heute und wie ist der Ausblick? Unter dieser Fragestellung diskutierten Elke Feuster, Damian Stampa, Niels Ebeling und Dr. Lars Heining (v.l.) im Gesundheitscampus Bochum.

„Wo stehen wir heute und wie ist der Ausblick?“ Unter diesem Motto fand ein Fachtag zur außerklinischen Intensivpflege in Bochum statt.

Eines wurde schnell klar: Die Herausforderungen der Branche reichen über das Problemfeld Vergütung deutlich hinaus.

Seit über einem Jahr gibt es den „AKI – Arbeitskreis außerklinische Intensivpflege Ruhr/Münster/ OWL“. Wobei OWL für Ostwestfalen-Lippe steht. Ein durchaus begrenztes Einzugsgebiet – doch allein der Zuspruch von rund 70 Teilnehmern in der Bochumer Hochschule für Gesundheit zeigte am 20. März deutlich, dass die außerklinische Intensivpflege gerade auf lokaler Ebene enormes Vernetzungspotenzial bietet. Dieser Herausforderung einer Vernetzung der Akteure aus Pflege, Therapie, Herstellern und Medizinern stellten sich die Akteure des Arbeitskreises* mit einem ersten Fachtag Außerklinische Intensivpflege.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat die Zahl der Intensivpflegedienste allein zwischen Januar 2014 und Dezember 2016 um fast 25 Prozent zugenommen und ist damit im Vergleich zu anderen ambulanten Pflegediensten überproportional angestiegen.

Überleitungsmanagement ist oft abenteuerlich

Mandy Sobottka, Geschäftsführerin der AtmoVitale GmbH, fasst zu Beginn gleich die wichtigsten Kernthemen zusammen: „Wir haben in der außerklinischen Intensivpflege hohe Wachstumsraten. Eine Individualversorgung lässt sich heute immer schwerer realisieren bei Wartezeiten von sechs Monaten für die Patienten. Neben dem Fachkräftemangel haben wir mit einer erschwerten Haus- und Fachärztlichen Versorgung zu kämpfen. Zudem besteht die Notwendigkeit einer strukturierten qualitätsorientierten Versorgung.“

Diese Themenfelder griff Dr. Lars Heining, Pneumologe und Chefarzt am St. Sixtus Hospital in Haltern am See, gekonnt auf. Anschaulich skizzierte er die Probleme und Herausforderungen in der außerklinischen Intensivpflege aus der Sicht eines Mediziners. Es gebe oft ein „abenteuerliches“ Überleitungsmanagement vom Krankenhaus zur Einrichtung. Die Anreize zur Entwöhnung (Weaning) seien zu gering. Zudem würden Weiterbehandlung mit Ergo, - Physio- und Sprachtherapie eher stiefmütterlich behandelt. Auch die Qualifikation auf pflegerischer Seite unterscheide sich enorm. „Alle Möglichkeiten des Weanings müssen erschöpft sein“, forderte Heining. Zugleich könne ein Überleitungsmanagement bereichsübergreifend gut standardisiert werden. Aber auch die Palliativmedizin müsse ein wesentlicher Bestandteil der Versorgung sein. „Wir brauchen ein Netzwerk, um gemeinsam Standards für die Versorgung dieser komplex erkrankten Patienten zu erarbeiten und umzusetzen“, lautete sein Appell an die Beteiligten.

Dieser Aufforderung fast folgend setzte die Podiumsdiskussion an mit einem exemplarischen Querschnitt aus Ärzten, Kassen und Leistungserbringern – moderiert durch Dirk Reining von ZBI-Gruppe. Befragt zur Situation der außerklinischen Intensivpflege für den stationären Sektor, skizzierte Elke Feuster, Leitung der Alexianer-Pflegeeinrichtungen Köln, ein niederschmetterndes Szenario. „Wir werden stärker überprüft als die ambulanten Richtungen“, bemängelte Feuster. Zudem hätten die Angehörigen im stationären Bereich oft mehr Zusatzkosten. Teilweise seien das bis zu 4.500 Euro monatlich. „Wir wollen erreichen, dass das stationäre und ambulante Angebot gleichberechtigt am Markt agieren kann“, sagte Niels Ebeling von der AOK Nord-West. Wie das geschehen soll, sagte er hingegen nicht. „Wir wollen mit Ihnen eine Win-Win-Situation herstellen“, sagte der AOK-Vertreter, bezogen auf die Kritik an der Vergütungspraxis der Kassen.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass es ein einheitliches Qualitätskonzept braucht. Zugleich versprachen sich viele Teilnehmer eine Verbesserung der angespannten medizinischen Situation mit fehlenden Fachärzten durch digitale Alternativen. „Wir müssen die Telemedizin anschieben, um einfach Sicherheit zu bekommen. Gerade wenn wir aus Mangel an Ärzten Dinge tun müssen, die an der Grenze zur Legalität stehen“, sagte Damian Stampa, Betreiber und Einrichtungsleitung AirCare Intensiv.

Wichtig bleibt aber der Austausch untereinander: „Alle Akteure müssen in der Lage sein, auf kurzem Wege miteinander zu kommunizieren“, sagte Lars Heining und setzte damit ein gelungenes Fazit des Tages.

Quelle Text und Foto: Asim Loncaric/CAREkonkret, Ausgabe 14/05.04.2019, S. 10

*Anm. der Red.: Die Gründungsgruppe des Arbeitskreises setzt sich zusammen aus:
Dirk Reining, BAG PhaseF
Stephan Patke, ZBI
Mandy Sobottka, AtmoVitale
Kerstin Trube, AOK NW
Frauke Sticht, AOK NW
Thomas Olschewski, Alexianer Münster
Ralf Krämer, Alexianer Münster
Cornelia Holländer, Malteser Rhein-Ruhr gGmbH, Duisburg, GB Wohnen & Pflegen Susanne Wildensee, nova:med
Maurizio de Matteis, FundK Intensivpflege24
Monika von Rekowski, FundK Intensivpflege24
Sarah Kassner, Caritas Dortmund
Ilona Dyballa, Caritas Dortmund
Andrea Rose, MDK WL
Peter Hill, Reinoldus Rettungsdienst