Montag 24.09.2018 11:35
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Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege

Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin Klinikum Stuttgart

Katharinenhospital

Kriegsbergstr. 60
70174 Stuttgart

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Frage: Was ist für Sie das Wichtige an der S2 Leitlinie?  Worin sehen Sie die Notwendigkeit der Erstellung einer solchen Leitlinie?
Rolf Dubb: Die Leitlinien werden nach der Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) in drei Entwicklungsstufen (S1 bis S3) unterschieden. Die Stufe S1 bedeutet, dass eine repräsentativ zusammengesetzte Expertengruppe der Fachgesellschaft(en) im informellen Konsens eine Empfehlung erarbeitet, die vom Vorstand der Fachgesellschaft(en) verabschiedet wird. Seit 2004 erfolgt die Unterteilung in die Klassen S2e ('evidenz'-basiert) und S2k (konsensbasiert) mit den gültigen Definitionen. Das bedeutet im Einzelnen, dass eine formale Konsensfindung oder eine formale „Evidenz“-Recherche stattgefunden hat und  dokumentiert offen zugänglich vorliegt. Die höchste Stufe ist die S3 Leitlinie. Sie Leitlinie wird mit zusätzlichen Elementen einer systematischen Entwicklung und mit Verweisen auf eine detaillierte und geschlossen dokumentierte Beleglage erstellt. Die klinische Relevanz der Studien wird regelmäßig überprüft:
Quelle: http://www.awmf.org 19.4.2012 Die Leitlinie ist deshalb wichtig, damit aktuelles Wissen für die Behandlung der Patienten in der Klinik und im außer klinischen Bereich für jedermann, jederzeit zugänglich und abrufbar ist. Die Behandlungsqualität kann damit auf einem gleichmäßigen Niveau flächendeckend, unabhängig vom impliziten Wissen des Therapeuten,  gewährleistet werden.

Frage: Was ist aus Ihrer Sicht das besondere an der außerklinischen Beatmungspflege gegenüber der Behandlung in der Klinik?
Rolf Dubb: Die außerklinische Behandlungspflege muss ohne den „Backup“ der Klinik für den Patienten jederzeit sicher funktionieren und bedarf eines hohen logistischen Aufwandes um dies zu gewährleisten. Alle Mitglieder des Behandlungsteams müssen auf hohem Niveau qualifiziert sein, um dies dauerhaft über 24 h am Tag gewährleisten zu können. Beatmungspflege erfordert, auch wenn sich die Patienten in der Regel in einer stabilen Beatmungssituation befinden, die ständige Präsenz von aktuell Fort- und Weitergebildetem Pflegepersonal, die in enger Abstimmung mit Patient und Angehörigen die Pflegemaßnahmen planen und durchführen.

Frage: Welche Entwicklungen haben Sie in der Beatmungs- und Intensivpflege erlebt?
Rolf Dubb: Die Intensiv- und Beatmungspflege hat sich in den letzten Jahren zu einer, auf hohem wissenschaftlichem Level ausgeführten Maßnahme fortentwickelt. Die Betreuung von hochkomplex erkrankten Patienten im Mehrorganversagen gehört zum „normalen“ Alltag einer Intensivstation. Die Betreuung des Patienten während der Beatmung, die Interpretation der Blutgasanalyse, die Einstellung des Respirators und die Überwachung aller notwendigen Vitalparameter setzen eine hohe fachliche Kompetenz im Kontext der interprofessionellen Zusammenarbeit mit allen an der Behandlung beteiligten Berufsgruppen voraus. Intensivpflege findet heute mehr denn je im Team statt. Die enge Grenze zwischen ärztlichen und pflegerischen Tätigkeiten ist zunehmend aufgehoben. Derjenige, der es am besten kann soll es machen, wenn er denn die dafür notwendige Qualifikation mitbringt. Damit dies auch gelingen kann, werden zunehmend mehr Intensivpflegekräfte für diese Tätigkeiten auf akademischen Niveau (Bachelor- und Masterstudiengänge) qualifiziert um dies „Lücke“ zwischen Fachkrankenpflege und Arzt zu schließen.

Frage: Welche Forschungsrichtung finden Sie besonders interessant und warum?
Rolf Dubb: Ich denke, alle Forschungen in Richtung der Mortalitätsverminderung und der Lebensqualitätserhöhung sind es wert, näher angesehen zu werden. Nicht nur das reine Überleben der Behandlung ist allerdings entscheidend, sondern in welcher Lebensqualität der Patient die Klinik letztlich verlässt und wie sich diese im Verlauf seines weiteren Lebens darstellt.

Frage: Welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten medizinischen Errungenschaften für die Patienten?
Rolf Dubb: Die wichtigsten Entwicklungen sind die Abkehr von der Eminenz- zur Evidenzbasierten Medizin. Hier kann und soll die Krankenpflege ihren Beitrag leisten und analog dem europäischen Ausland, in Zusammenarbeit auf Augenhöfe mit allen an der Behandlung des Patienten beteiligten Berufsgruppen auf wissenschaftlichem Niveau die Patientenversorgung federführend mit übernehmen.

Frage: Wo sehen Sie die Beatmungs- und Intensivpflege in 10 Jahren?
Rolf Dubb: Die Intensivmedizin wird komplexer und aufwendiger werden. Die Qualifikation der Pflegekräfte auf akademischem Niveau, die Neustrukturierung von Prozessabläufen und die Entstehung von „neuen“ Berufsgruppen scheinen hier eine logische Folge dieser Entwicklung zu sein. Diese Entwicklung wird sich auch auf den außer