
Die Weste gehörte bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein zwingend zu jedem Männeranzug. Die Industrie hat die Vorzüge der Weste für sich genutzt, denn diese lässt sich einfach und schnell überstreifen. So wird sie heute als Funktionsweste, etwa als Warnweste im Straßenverkehr oder als Rettungsweste in der Schiff- und Luftfahrt eingesetzt – und sie kommt mittlerweile auch in der Medizin zum Einsatz.
Seit einigen Jahren wendet eine große Bochumer Klinik in Zusammenarbeit mit dem Medizintechnikunternehmen Heinen + Löwenstein die spezielle Weste „The Vest“ in der Therapie von Patienten mit diversen Lungenerkrankungen an. Dieses neue System stimuliert die Atemwege und sorgt dafür, dass die Patienten angestautes Sekret abhusten können. Dabei kommt die hochfrequente Brustwand-Oszillation zum Einsatz.


Wie funktioniert „The Vest System“?
Die Weste, die dem Patienten angelegt wird, ist über zwei Verbindungsschläuche mit einem Generator verbunden. Dieser be- und entlüftet die Weste in hohen Frequenzen bis zu 20 Mal pro Sekunde. Die ausgeübten Impulse sorgen für eine sanfte Be- und Entlastung der Thoraxwand. Dadurch werden „Mikro“-Hustenstöße simuliert, der Patient kann angestautes Sekret abhusten. Eine Behandlung dauert 15 bis 20 Minuten.
„Aber auch das Absaugen bei einem immobilen Patienten wird deutlich erleichtert, weil durch die Therapie die Sekrete aus den tiefen Atemwegen in die oberen gelangen“, sagt Simon Hanau. Der Anwendungsberater und Atemtherapeut weiß, wovon er redet. Hanau betreut und berät die Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen nicht nur in der Bochumer Klinik, sondern auch zu Hause. Typische Anwender der Weste sind Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose, Zerebralparese, Chonisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD), Zystischer Fibrose, Muskeldystrophie, Patienten mit Rückenmarksverletzungen, beatmete Patienten sowie Patienten nach Lungentransplantationen und nach herzchirurgischen Eingriffen.
Therapeutisch sinnvoll
Wie effizient die Behandlung mit „The Vest“ ist, belegen zahlreiche Studien in den USA. Dort wurde die externe Brustwand-Hochfrequenz-Thoraxkompression bereits in den 80er Jahren auf dem Markt für Bronchialsekret Clearance zugelassen. In Deutschland wird das System seit drei Jahren eingesetzt. Auch Simon Hanau kann bereits von Therapieerfolgen bei Patienten berichten. „Eine Patientin kam mit immer wiederkehrenden Sekretansammlungen in der Lunge ins Krankenhaus. Eine Bronchoskopie, die Spiegelung der Lunge mittels Videooptik und Arbeitskanal, war bereits geplant. Auf Anforderung der Ärzte wurde ich als Atemtherapeut gebeten, hier im Vorfeld die Behandlung mit der Weste durchzuführen und transnasal nach Möglichkeit gelöstes Sekret abzusaugen“, erklärt Simon Hanau.
Im Anschluss an die Behandlung wurde eine Röntgenaufnahme von der Lunge gemacht, die zweite am nächsten Morgen. Das Ergebnis war erstaunlich. Im Röntgenbild war eine deutliche Besserung des linken Lungenflügels zu erkennen. Auch im ambulanten Bereich konnte Hanau bei einem Patienten mit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), eine degenerative Erkrankung der gesamten Muskulatur bis hin zur völligen Rückbildung, eine deutliche Besserung des Allgemeinzustandes feststellen. Der Anwendungsberater: „Durch die regelmäßige Anwendung kann der Patient das angestaute Sekret wieder selbständig zu Hause allein abhusten.“
Vorbeugen hilft
Aber nicht nur bei Patienten mit zäher Sekretion sollte das Gerät fester Bestandteil der Therapie sein, sondern auch bei lungenerkrankten Menschen, die zu Infekten neigen. Hier wirkt die Behandlung mit „The Vest“ vorbeugend. Durch die Stimulation mit dem Gerät können die Patienten besser abhusten, die Lungenflügel werden besser durchlüftet. MRSA und andere Resistenzbildungen durch Antibiotika-Gabe können vermieden werden.
Einfach überstreifen und vorne verschließen: Die Weste hat sich auch im medizinischen Alltag längst bewährt. Denn selbst bei der Lagerung eines immobilen Patienten oder beim Wechseln der Bettwäsche wird die Weste einfach übergestreift. Und die Therapie kann beginnen.

Heinen + Löwenstein
Arzbacher Straße 80
56130 Bad Ems
Telefon 02603 • 96 00-0
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www.hul.de
Diese Reportage der Asklepios Kliniken behandelt das Thema der Entwöhnung von Beatmungsgeräten.
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