Dienstag 25.09.2018 09:06
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Beatmungspflegeportal - 11.04.2018

Wie sich eine Lungenembolie auch ohne CT ausschließen lässt

Wenn ein Patient mit akuter Atemnot und Schmerzen in der Brust in die Notaufnahme eingeliefert wird, besteht schnell der Verdacht auf eine Lungenembolie, die tödlich verlaufen kann. Die Symptome können allerdings auch harmlosere Ursachen haben. Um dies genau abzuklären, wird häufig eine sofortige CT-Pulmonalisangiographie (CTPA) durchgeführt, die mit einer Strahlenbelastung für die Patienten und hohen Kosten verbunden ist. Dabei reichen acht einfache Kriterien aus, um den Anfangsverdacht einer Lungenembolie zu erhärten bzw. auszuschließen. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) unter Berufung auf aktuelle Studienergebnisse hin (siehe JAMA 2018, Band 319, Seite 559-566). Nur wenn eines der folgenden acht Kriterien – sog. PERC-Kriterien (aus dem Englischen pulmonary embolism rule-out) – zutrifft, liegt wahrscheinlich eine Lungenembolie vor, so dass eine CTPA gerechtfertigt ist:

•    Erhöhte Pulsfrequenz (mindestens 100 Schläge pro Minute)
•    Arterielle Sauerstoffsättigung von 94 Prozent oder weniger
•    Einseitige Beinschwellung
•    Bluthusten (Hämoptyse)
•    Kürzliche Operation oder Verletzung
•    Lungenembolie oder tiefe Venenthrombose in der Vergangenheit
•    Alter des/r Patienten/in über 50 Jahre
•    Einnahme von Östrogenen

„Eine französische Studie hat aufgezeigt, dass sich die Anzahl an CT-Pulmonalisangiographien halbieren lässt, wenn man diese Kriterien heranzieht, ohne dass dabei schwere Lungenembolien übersehen werden“, erklärt Prof. Dr. Klaus F. Rabe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Ärztlicher Direktor der LungenClinic Grosshansdorf.
Gerade bei der Anwendung der Computertomografie (CT) herrscht - in den USA aber auch hierzulande - eine Überversorgung, da Ärzte manchmal dazu neigen, bei einem diagnostischen Problem sicherheitshalber eine CT anzuordnen, die in vielen Fällen aber unnötig ist. „Diese unnötigen Fälle lassen sich mithilfe der genannten, acht Ausschlusskriterien identifizieren, was eine Überdiagnostik von Lungenembolien verhindert“, betont Prof. Rabe. Mit der konkreten Handlungsempfehlung, diese acht Kriterien bei Verdacht auf eine Lungenembolie heranzuziehen, möchten die Mitglieder der DGP andere Ärzte ermutigen, Entscheidungen zu treffen, die dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung entsprechen, und somit dazu beitragen, eine Überversorgung zu vermeiden – ganz im Sinne der Initiative „Klug entscheiden“, die von der der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) angeregt wurde.

Die häufigste Ursache für eine Lungenembolie ist ein Blutgerinnsel, das sich in einer Vene gebildet hat, und dann mit dem Blut in die Lunge transportiert wird, wo es – falls es nicht schrittweise vom Körper oder durch Medikamente abgebaut wird - die Durchblutung und damit den Austausch der Atemgase blockiert.

Quelle