Dienstag 12.12.2017 16:57
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Beatmungspflegeportal - 26.11.2017

Wie die Lunge frühgeborener Kinder Schaden nimmt

Die Lunge zählt zu den Organen, die sich bei Babys am spätesten entwickelt. Dementsprechend ist die Lunge bei zu früh geborenen Babys noch nicht vollständig entwickelt und anfällig für Erkrankungen. Die häufigste chronische Erkrankung, die in Folge auftreten kann, wird als Bronchopulmonale Dysplasie (kurz BPD) bezeichnet. Sie tritt vor allem dann auf, wenn die zu früh geborenen Kinder künstlich beatmet werden oder eine zusätzliche Sauerstoffzufuhr benötigen. Die Krankheit kennzeichnet sich durch einen Mangel an voll ausgebildeten Lungenbläschen und den entsprechenden Gefäßen, was zu einem erhöhten Sauerstoffbedarf und einer großen Atemanstrengung führt, die man klinisch beobachten kann. Forscherinnen und Forscher des Helmholtz Zentrums München, Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL), haben nun einen molekularen Mechanismus aufgedeckt, der entscheidend zur Krankheitsentwicklung beiträgt. Die Ergebnisse sind in dem Magazin ‚EMBO Molecular Medicine‘ nachzulesen.

„Welche Ursachen genau bei einer BPD ausschlaggebend sind, ist bislang kaum verstanden“, sagt Dr. Prajakta Oak, Wissenschaftlerin am Comprehensive Pneumology Center und Institut für Lungenbiologie (ILBD) des Helmholtz Zentrums München. „Neben Schädigungen durch die Beatmung selbst und die Toxizität des Sauerstoffs gelten auch charakteristische Entzündungsprozesse und die funktionelle und strukturelle Unreife der Lunge als Auslöser“, so die Erstautorin der aktuellen Studie.

Ausgangspunkt der Studie war eine genetische Assoziationsstudie mit insgesamt 1061 Neugeborenen darunter 492 mit einer BPD-Diagnose. Sie ergab, dass bestimmte Veränderungen im Gen für den Wachstumsfaktor-Rezeptor PDGFR-α das Risiko für die Erkrankung signifikant erhöhen.

Die Studienergebnisse zeigen, dass womöglich die Erkrankung Bronchopulmonale Dysplasie einer geringeren Produktion eines wichtigen Wachstumsfaktors in Zusammenhang steht. Die Autoren der Studie wollen als nächstes überprüfen, ob es machbar ist, gezielt in diese Signalkette einzugreifen und dadurch Therapiemaßnahmen entwickeln.

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