Samstag 19.08.2017 01:50
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Beatmungspflegeportal - 08.08.2017

Sprachcomputer gibt Patienten eine Stimme

Weaning-Station des EvK Herne-Eickel setzt neues Hilfsmittel ein

Es gibt Menschen, die sich nicht oder nur eingeschränkt lautsprachlich verständigen können. Das kann angeboren sein oder durch eine Krankheit oder einen Unfall verursacht werden. Sie können nicht sagen, was sie denken oder fühlen. Wenn die Möglichkeit der Kommunikation nicht existiert ist auch die Teilnahme an der Gesellschaft eingeschränkt. Um mit der Umwelt in Kontakt zu bleiben, gibt es mittlerweile vielerlei Hilfsmittel, die unter der Bezeichnung „Unterstützte Kommunikation“ (UK) zusammengefasst werden. Unterstützte Kommunikation muss die individuelle Art zu kommunizieren nicht ersetzen, sondern kann sie ergänzen und unterstützen. Die Motivation sich mitzuteilen, kann durch individuelle Kommunikationsformen erhöht werden. Durch den Einsatz von Gebärden, Objekten, grafischen Symbolen oder technischen Hilfen kann die Kommunikation im Alltag intensiviert und verbessert werden.

Eine Möglichkeit von technischen Hilfsmitteln ist z.B. der Sprachcomputer. Sprachcomputer gibt es in vielen verschieden Variationen. So gibt es Kommunikationshilfen mit Symboleingabe und Kommunikationshilfen mit Schrifteingabe. Bei manchen Geräten lassen sich auch über ein Mikrofon Musik, Geräusche oder Aussagen aufnehmen und wiedergeben. Komplexe Sprachausgabegeräte bieten sogar die Möglichkeit verschiedene Aussagen miteinander zu verknüpfen. Häufig wird dafür ein dynamisches Display verwendet, das Anwender ermöglicht selbstständig auf Vokabular zuzugreifen. Die Kommunikation mit Sprachausgabegeräten ermöglicht vielen unterstützt kommunizierenden Menschen mehr Unabhängigkeit und eine größere Flexibilität im Alltag. Auch die Weaning-Station des EvK Herne-Eickel setzt Sprachcomputer ein, um den Patienten die Kommunikation zu erhalten.

Suche nach neuer Möglichkeit die Kommunikation aufrecht zu erhalten

Im Durchschnitt bleiben die Patienten auf der Weaning-Station des Evangelischen Krankenhauses in Herne-Eickel sechs Wochen. Angeschlossen an Beatmungsmaschinen, verkabelt und mit Schläuchen versehen, die ihnen helfen sollen, wieder eigenständig zu atmen, haben sie keine Möglichkeit zu sprechen. Deshalb notierten die Patienten ihre Wünsche oder Fragen auf einem Blatt Papier. Dies ist jedoch sehr anstrengend. Deshalb kam Krankenschwester Dina Lakew nach eingehender Recherche die Idee, neue Möglichkeiten der Kommunikation einzusetzen. Mit Unterstützung der pflegerischen Fachberaterin Ute Matthias und der Pflegedienstleiterin Stefanie Eisenberg wurde die Entscheidung getroffen, Sprachcomputer anzuschaffen, die per Touchscreen oder per Tastatur bedient werden können.

Wiedergewonnene Kommunikation sorgt für Erfolgserlebnisse
Immer wieder hatte das Pflegeteam erlebt, wie traumatisch es für Weaning-Patienten ist, nach einer Operation desorientiert aufzuwachen und nicht sprechen zu können. „Das ist für die Patienten extrem frustrierend und für uns als Pflege genauso, wenn wir spüren, dass wir für den Patienten nicht das machen können, was ihm in seiner individuellen Situation gut tun würde“, sagt Krankenschwester Dina Lakew. Sie ist Pflegekraft auf der Station und diejenige, die die meiste Erfahrung darin besitzt, den Patienten den Umgang mit dem Sprachcomputer zu vermitteln. Sie hat die Einführung dieses Hilfsmittels im Dezember 2016 intensiv begleitet und schon nach den ersten Wochen festgestellt, wie positiv die Erkrankten auf den Computer reagierten.

Die Bedienung des Geräts ist sehr einfach und für jeden Patienten händelbar. Auf einer Tastatur können die Patienten ihre Wünsche und Anliegen eintippen, diese erscheinen dann auf einem Bildschirm und können von den Pflegekräften abgelesen werden oder sich sogar per Lautsprecher anhören. Die Monitore sind so angebracht, dass die bettlägerigen Kranken sie auch im Liegen bequem erreichen können. Die wiedergewonnene Kommunikation sorgt bei den Patienten für Erfolgserlebnisse. Auch die Angehörigen sind von dem Angebot des EvK Herne-Eickel begeistert und würden die Sprachcomputer am liebsten direkt mit nach Hause nehmen.

Zusammenspiel von Medizin, Pflege und Therapie
Jährlich werden auf der Weaning-Station rund 50 Patienten mit Atmemversagen behandelt. Weaning bedeutet Entwöhnung von künstlicher Beatmung. Die Therapie ist sehr aufwändig und bedeutet eine umfassende Kompetenz und ein enges Zusammenspiel von Medizin, Pflege und Therapie. Die Weaning-Station ist Teil der EvK-Klinik für Pneumologie und des Thoraxzentrums Ruhrgebiet. Sie ist sowohl als medizinisches Zentrum als auch als angehörigenfreundliche Intensivstation zertifiziert.

Quelle: AirMediPlus 3-17