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Beatmungspflegeportal - 17.08.2017

Spezielles Antibiotikum verzögert möglicherweise den Ausbruch von Multipler Sklerose

Das Antibiotikum Minocyclin verzögert möglicherweise den Ausbruch von Multipler Sklerose (MS). Der Nutzen von Minocyclin bei MS ist zurzeit zwar noch nicht hinreichend belegt, um den Einsatz zu empfehlen, aber in einer kanadischen Phase-2-Studie erkrankten unter Minocyclin sechs Monate nach einem ersten Schub nur halb so viele Patienten an MS wie unter Einnahme eines Placebos. Nach 24 Monaten war der Schutzeffekt des Antibiotikums allerdings nicht mehr nachweisbar. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „The New England Journal of Medicine“ publiziert.

Erste Hinweise, dass Minocyclin die Entwicklung einer Multiplen Sklerose verzögern könnte, hat das MS Study Team um Luanne Metz bereits auf der EctriMS-Tagung 2015 in Barcelona vorgelegt. Jetzt wurden die Ergebnisse einer randomisierten und placebokontrollierten Studie mit Beteiligung von insgesamt zwölf Zentren publiziert. Metz und Kollegen haben zwischen 2008 und 2013 analysiert, inwieweit Minocyclin das Risiko eines Übergangs von „Klinisch Isoliertem Syndrom“ (KIS) zur manifesten MS reduziert. KIS beschreibt eine erste Episode neurologischer Symptome, die durch Entzündungen und Myelinverlust an einer oder mehreren Stellen in Gehirn und Rückenmark charakterisiert wird. Menschen, die ein KIS erleben, können nachfolgend eine klinisch definierte MS entwickeln, dies geschieht aber nicht zwingend.

MS-Experten von der Deutsche Gesellschaft für Neurologie, dem Krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose und der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V., merken jedoch an, dass die Studie erhebliche Schwächen hat. Die Zahl der Studienteilnehmer war mit 142 sehr gering was möglicherweise erklärt, warum die nach sechs Monaten beobachteten positiven Effekte nach 24 Monaten nicht mehr signifikant waren. Auch der Zeitraum von sechs Monaten bis zum Erreichen des primären Endpunktes (Übergang von KIS zu MS) ist im Vergleich zu anderen Studien sehr kurz. Zudem wurde ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung von Verum- und Placebogruppe bemängelt und die Langzeiteinnahme eines Antibiotikums, da dies eine Resistenzentwicklung hervorrufen kann. Die Wirksamkeit von Minocyclin sollte in einer größeren und längeren klinischen Studie belegt werden, empfehlen Experten.

Quelle