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Beatmungspflegeportal - 11.11.2019

Ohne Behandlung erleiden Patienten mit Bronchiektasen ständig wiederkehrende Infekte

Betroffene Patienten leiden unter starkem Husten mit schleimigem und eitrigem Auswurf, Atemnot und Müdigkeit. Wesentlich für die Behandlung sind die Methoden der Atemphysiotherapie (so genannte Bronchialtoilette) mit dem Ziel, das Lösen und Abhusten von Sekret zu erleichtern und die Reinigung der Atemwege somit zu verbessern. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hin.

Nicht heilbare Ausweitungen der Bronchien, die von Bakterien besiedelt werden und sich dann entzünden, nennt man Bronchiektasen (aus dem Griechischen: éktasis = Erweiterung). Sie können infolge einer chronischen Lungenerkrankung entstehen oder angeboren sein. „In diesen zylinder-, sack- oder spindelförmigen Ausweitungen funktioniert der natürliche Selbstreinigungsprozess der Atemwegsschleimhaut nicht, vielmehr sammelt sich in ihnen Sekret, das dann von Bakterien besiedelt zu einer Quelle wiederkehrender Infektionen wird“, erläutert Prof. Dr. med. Michael Pfeifer, Präsident der DGP und Medizinischer Direktor der Klinik Donaustauf sowie Chefarzt der Klinik für Pneumologie und konservative Intensivmedizin im Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg. Auch zwischen den häufigen Atemwegsinfektionen leiden betroffene Patienten unter starkem Husten mit schleimigem und eitrigem Auswurf, Atemnot und Müdigkeit. Angeborene Bronchiektasen sind vergleichsweise selten und können auf Fehlbildungen in der Embryonalzeit oder Erbkrankheiten mit Störungen der Selbstreinigungsfunktion der Atemwegschleimhaut (sog. mukoziliäre Clearance), wie z. B. Mukoviszidose oder Alpha-1-Antitrypsinmangel zurückgeführt werden. Erworbene Bronchiektasen werden oft durch chronische, entzündliche Prozesse in den Atemwegen verursacht.

Keine seltene Erkrankung

Bronchiektasen sind nicht - wie oft angenommen - selten. Derzeit wird sogar vereinzelt gemeldet, dass die Häufigkeit von Bronchiektasen angestiegen sei. „Krankenversicherungsdaten zufolge stieg in Deutschland die Prävalenz unter den 75- bis 84- Jährigen in nur zwei Jahren (2015-2017) von 67 auf 224 pro 100.000 Einwohner“, berichtet Prof. Pfeifer. „Das dürfte aber vor allem auf die verbesserte Diagnosetechnik dank hochauflösender CT zurückzuführen sein. Außerdem hat auch das deutsche Bronchiektasen-Register PROGNOSIS, das sich für eine bessere Versorgung der Patienten einsetzt, die Aufmerksamkeit für diese Erkrankung erhöht. Aber im Hinblick darauf, dass die Anzahl der diagnostizierten Bronchiektasen in Deutschland in anderen europäischen Ländern wie beispielsweise England um ein Vielfaches übertroffen wird, ist dennoch anzunehmen, dass Bronchiektasen hierzulande immer noch zu selten diagnostiziert werden.“

Bedeutung der Physiotherapie zur Vorbeugung von Komplikationen

„Wesentlich sind die Methoden der Atemphysiotherapie (so genannte Bronchialtoilette) mit dem Ziel, das Lösen und Abhusten von Sekret zu erleichtern und die Reinigung der Atemwege somit zu verbessern“ betont Prof. Pfeifer. Dazu gehören spezielle Atemtechniken und Geräte (wie Cornet oder Flutter), die in den Atemwegen Schwingungen erzeugen. Unterstützt wird die Atemtherapie durch Inhalationen mit Kochsalzlösungen und bronchialerweiternden Medikamenten, die dazu beitragen, dass das Sekret besser abgehustet werden kann.

Therapie sollte von erfahrenen Pneumologen durchgeführt werden

Trotzdem ist eine Therapie mit Antibiotika meist unumgänglich, wobei für Problemkeime ganz spezielle Wirkstoffe verwendet werden müssen. „Wichtig für die Antibiotikatherapie ist die richtige Auswahl, Zeitdauer und Art der Applikationen (oral oder intravenös), weil die Gefahr von Resistenz-Bildungen der Bakterien sehr groß ist. Die Therapie der Bronchiektasen sollte daher möglichst früh durch erfahrene Pneumologen und in pneumologischen Zentren durchgeführt werden“ erklärt Prof. Pfeifer. Eine operative Entfernung von Bronchiektasen ist nur möglich, wenn sich diese auf einen begrenzten Lungenbereich beschränken, was allerdings selten der Fall ist, sodass ein chirurgischer Eingriff meist nicht infrage kommt. Künftige Therapieansätze zielen auf die Hemmung bestimmter Immunzellen (Neutrophile) ab, die in ihrer Abwehrfunktion (Phagozytose und Apoptose) gestört sind, befinden sich derzeit aber noch in der klinischen Erprobung.

Quelle: www.lungenaerzte-im-netz.de