Sonntag 24.06.2018 01:15
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Beatmungspflegeportal - 06.06.2018

Neue Erkenntnisse zum malignen Pleuraerguss

Vergangenes Jahr entdeckten Forscherinnen und Forscher einen neuen Mechanismus, der zur Entstehung eines Pleuraergusses führt. In ihrer aktuellen Arbeit in ‚Nature Communications‘ konnten sie nun das Bild der genauen Entstehungsmechanismen weiter verfeinern. Bei einem Pleuraerguss sammelt sich Flüssigkeit zwischen Lungen- und Rippenfell an, dieses „Wasser in der Brust“ tritt vor allem als Begleiterkrankung bei Lungenkrebs auf.

Eine übermäßige Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb zwischen Lungen- und Rippenfell, begleitet von bösartigen Zellen wird in der Medizin als maligner Pleuraerguss (MPE) bezeichnet. Häufig sind Patientinnen und Patienten mit metastasierendem Brust- beziehungsweise Lungenkrebs von dieser Begleiterkrankung betroffen. Die Flüssigkeit rund um die Lunge kann zu Atemnot und Brustschmerzen, bis hin zum Tod führen. Nach wie vor ist die Ursache eines malignen Pleuraergusses jedoch nicht vollständig verstanden. Dies wirkt sich auch auf die Suche nach geeigneten Therapien aus.

Im Mai letzten Jahres konnten Forscherinnen und Forscher zeigen, dass Krebszellen mit einer bösartigen Mutation im KRAS-Gen den malignen Pleuraerguss auslösen können. Mit neuen Untersuchungen erweiterten sie nun dieses Wissen und fanden genauere Hinweise auf den Entstehungsmechanismus. Ihre Analysen zeigen, dass Entzündungsbotenstoffe des Immunsystems eine maßgebliche Rolle spielen: Sie aktivieren in den mutierten Krebszellen einen Signalweg, der langfristig den Pleuraerguss auslösen kann. Ein wichtiger Teil des Signalwegs scheint das Molekül IKKα (inhibitor of nuclear factor-κΒ kinase α) zu sein. Nach den aktuellen Erkenntnissen kommt es in Folge des aktiven Signalwegs zur Ausschüttung von weiteren Botenstoffen, die zu einer starken Entzündungsreaktion führen. Immunzellen wandern dann über die Milz in die Pleurahöhle ein und verursachen die krankhafte Flüssigkeitsansammlung.

Signalweg von zwei Seiten unterdrücken
Im Tierversuch testeten die Wissenschaftler inwieweit ihre neuen Ergebnisse künftig auch für die Therapie relevant sein könnten. Sie unterdrückten dafür den Signalweg von zwei Seiten, indem sie sowohl KRAS als auch IKKα hemmten. Tatsächlich zeigten sich durch diese Strategie signifikante Ergebnisse: Der Pleuraerguss trat deutlich seltener auf und schritt zudem langsamer voran.

Neue Ansätze zur Behandlung des Pleuraergusses seien dringend nötig, betonen die Autoren. Sie hoffen nun, dass Medikamente gegen den von ihnen gefundenen Mechanismus eine Therapieoption werden könnten. In weiteren Untersuchungen wollen sie die Mechanismen und Signalwege, die bei der Entstehung des Pleuraergusses eine Rolle spielen, noch besser verstehen und aufdecken.

Quelle