Sonntag 16.12.2018 20:44
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Beatmungspflegeportal - 18.04.2016

Forscher untersuchen, ob Viagra Schwimmer vor dem SIPE-Lungenödem schützen kann

Kontakt mit kaltem Wasser kann bei empfindlichen Personen zu plötzlichen Atemproblemen, Bluthusten und Sauerstoffmangel führen. Dabei handelt es sich um das so genannte Swimming Enduced Pulmonary Edema (SIPE), also ein durch Schwimmen hervorgerufenes Lungenödem. Auch wenn die Symptome meist nach 24 Stunden wieder verschwinden, kann SIPE für Betroffene lebensgefährlich sein und sollte ärztlich behandelt werden.

Normalerweise tritt ein Lungenödem auf, wenn aus den Lungenkapillaren Flüssigkeit in das Lungengewebe austritt und sich dort ansammelt. Aufgrund des sich anstauenden Wassers kann die Lunge sich nicht mehr mit genügend Luft füllen und somit das Blut nicht mehr hinreichend mit Sauerstoff anreichern, Atemnot tritt auf. Im schlimmsten Fall kann ein Lungenödem mit Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Versagen enden. Während den meisten Lungenödemen eine Grunderkrankung, z.B. Herzrhythmusstörung oder ein Herzfehle, zugrunde liegt, tritt SIPE bei Schwimmern ohne feststellbare Vorerkrankung auf: Es kommt zu einer plötzlich erhöhten Durchlässigkeit der Kapillaren in der Lunge. Hier wird vermutet, dass der mechanische Stress, der aufgrund der körperlichen Anstrengung z.B. bei einem Triathlon auf die Kapillarwände einwirkt, und der Druck des Wassers bei empfindlichen Menschen dafür sorgt, dass Blut und Lymphflüssigkeiten von den Extremitäten vermehrt zur Körpermitte transportiert werden. Dadurch fließt ein größeres Volumen durch die dortigen Blutgefäße, der Druck in den Gefäßen nimmt zu. Die Zellwände können dem wachsenden Druck nicht mehr Stand halten und werden durchlässig. So die Theorie zur Erklärung von SIPE.
Jetzt bestätigen Forscher des „Duke Center for Hyperbaric Medicine & Environmental Physiology“ in Durham, North Carolina, USA, dass SIPE durch einen erhöhten Blutdruck in den Blutgefäßen der Lunge ausgelöst wird. Deshalb könne SIPE auch mit einem bewährten Wirkstoff gegen arteriellen Lungenhochdruck erfolgreich behandelt werden, siehe Circulation, Online-Vorabveröffentlichung am 16.2.16. Gegen arteriellen Lungenhochdruck wird der Wirkstoff Sildenafil, auch als Viagra bekannt, verabreicht.Tatsächlich reduziert sich den Forschern zufolge nach der Einnahme von Sildenafil der durch SIPE erhöhte Druck in den Lungengefäßen. Durch die medikamentöse Entspannung der Gefäßwände in den Armen und Beinen fließe weniger Blut zum Brustkorb zurück, weniger Flüssigkeit trete in die Lungen aus, so dass der Blutdruck in den Lungengefäßen abnimmt.

Allerdings sind nun weitere große Studien erforderlich, um diese Untersuchungsergebnisse zu bekräftigen und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen von Sidenafil zu erforschen. Auch die Ursachen von SIPE und Möglichkeiten einer frühzeitigeren Diagnose sollten nach Ansicht der Forscher noch besser untersucht werden.

Quelle