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Beatmungspflegeportal - 17.08.2012

ECMO - Beatmung anders? - Chancen und Möglichkeiten der Extrakorporalen Membranoxygenierung

Im Jahre 1972 wurde erstmals eine erfolgreiche Behandlung eines akuten Lungenversagens mit einer Extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) beschrieben. Die anfängliche Euphorie legte sich jedoch relativ schnell, da die erste kontrollierte prospektive randomisierte Studie 1979 nüchterne Resultate vorstellte. Lange Zeit galt das Verfahren wegen der erheblichen Nebenwirkungen und der hohen technischen und personellen Aufwandes nicht als im klinischen Alltag einsetzbar.

Die technische Entwicklung, der in den letzten Jahren ermöglichte jedoch der Einsatz dieser Verfahren ohne die anfänglich beschriebenen schweren Komplikationen, so dass heute das ECMO-Verfahren im vielen Zentren angewendet wird. Insbesondere die Verbesserung der Pumpentechnik mit geringerer Traumatisierung des Blutes führte zu erheblichen Fortschritten.

Das Prinzip der ECMO ist die Oxygenierung und die Decarboxylierung des Blutes, wobei grundsätzlich, je nach klinischer Situation, das Verfahren entweder arteriovenös, venovenös oder venoarteriell eingesetzt wird.

Wurden bisher ausschließlich Patienten mit schwerem Lungenverfahren (ARDS) mit ECMO behandelt, die in der Regel sediert und invasiv beatmet waren, wird heute dieses Verfahren auch bei wachen, zum Teil spontan beatmeten Patienten angewendet. In der Indikation „bridge-to-transplant“ hat sich die Methode inzwischen für Patienten, die auf der Warteliste für eine Lungentransplantation stehen etablieren können.

Im Gegensatz zu der breiten Anwendung des Verfahrens ist jedoch die wissenschaftliche Evidenz noch nicht ausreichend gesichert, auch wenn eine Reihe von Beobachtungsstudien und Fallbeispielen positive Resultate finden. Vor zwei Jahren wurde die erste kontrollierte Studie zu dem Verfahren publiziert (CESAR-trial), die auch eine Verbesserung der Mortalität bei Patienten mit schwerem Lungenversagen zeigte. Die Erfahrungen aus den schweren Lungenveränderungen bei H1N1-Infektionen erbrachte ein positives Bild für den Einsatz der ECMO.

Das ECMO-Verfahren, das durch die technischen Entwicklungen heute deutlich einfacher anwendbar ist, stellt eine wesentliche Weiterentwicklung der Intensiv- und Beatmungsmedizin dar. Viele Fragen sind noch offen und müssen durch klinische Studien bearbeitet werden, doch schon heute ist die moderne Intensivmedizin ohne ECMO nicht mehr vorstellbar.

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