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Beatmungspflegeportal - 09.10.2016

Bei der Einnahme von Opioiden ist Vorsicht geboten

Ältere Patienten mit COPD, die Opioide neu verordnet bekommen, müssen mit schwerwiegenden Nebenwirkungen rechnen. Das gilt besonders, wenn sie stark wirkende Präparate einnehmen sollen.
In einer kanadische Studie zur Neuverordnung von Opioiden bei gleichzeitig bestehender COPD sind Daten von mehr als 130.000 ambulanten Patienten im Alter ab 66 Jahren eingeflossen (Eur Respir J 2016, online 14 Juli). Gut zwei Drittel bekamen Schmerzmittel auf Opioidbasis verordnet, die übrigen dienten als Kontrollgruppe.

Um statistische Verzerrungen zu vermeiden, wurden die Berechnungen im Zuge einer Propensitätsanalyse nach Merkmalen wie etwa Schwere der COPD, Begleitkrankheiten und Inanspruchnahme von Versorgungsressourcen abgeglichen, die je nach Ausprägung eine Opioidverordnung wahrscheinlicher oder weniger wahrscheinlich machen.
Als kritisch galten die ersten 30 Tage nach der Verordnung, weil die Forscher damit rechneten, dass sich Opioid-assoziierte Nebenwirkungen rasch einstellen würden. Allgemein mussten ältere COPD-Patienten unter Opioiden in den 30 Tagen nach der Verordnung öfter wegen ihrer COPD oder einer Pneumonie eine Notfallambulanz aufsuchen als die Kontrollpatienten. Die Häufigkeit war um 14 Prozent erhöht. Die Gesamtmortalität war um 76 Prozent, die auf COPD beziehungsweise Pneumonie bezogene Mortalität um 116 Prozent gesteigert. Exazerbationen, gemessen an der Notwendigkeit zusätzlicher Kortikoid- oder Antibiotikaverordnungen, gingen um 12 Prozent zurück. Die Nebenwirkungen hingen aber auch von den verordneten Substanzen ab. Speziell reine Opioidpräparate, die auch eine stärke Wirkung haben, erhöhten das Risiko für Exazerbationen und andere respiratorische Komplikationen, für die respiratorisch bedingte und für die Gesamtmortalität.

Da die Gründe für die Opioidverordnung in den benutzten Datensätzen nicht dokumentiert waren, ist die Studie allerdings kritisch zu betrachten. Wenn COPD Patienten Opioide verordnet werden, kann das mehrere Gründe haben. Die bis Ende 2012 gültige, derzeit in Überarbeitung befindliche deutsche COPD-Leitlinie etwa empfahl Morphin zur Linderung bei schwerer Dyspnoe. Die Opidoidverordnung muss aber nicht zwingend mit der COPD-Erkrankung im Zusammenhang stehen.

Quelle