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Beatmungspflegeportal - 03.10.2014

„Meine Frau ist ein ganz besonderer Mensch“

Im Mai 2012 fing alles an: Beim gemeinsamen Abendessen hat Roswitha Lachner zum 1. Mal ein Wasserglas fallen lassen. „Der Grund war eine schlaffe Lähmung des linken Daumens meiner Frau“, erklärt Hans-Siegfried Lachner, „allerdings machten wir uns darüber keine großen Sorgen. Unser Urlaub im Juni stand vor der Tür und wir wollten uns dieses Ereignis nicht entgehen lassen“, erinnert sich Lachner.

Aus dem Urlaub zurück, wurde ein Facharzt aufgesucht, der anhand einer bildlichen Diagnostik eine Spinalkanalverengung der Halswirbelsäule diagnostizierte. Bei einer Konsiliaruntersuchung wurde die Halswirbelsäule als ganz normale Altersverschleißerscheinung diagnostiziert. Da sich der Zustand meiner Frau jedoch verschlechterte,  suchten  wir noch weitere Ärzte auf,  um mehrere Meinungen zu hören,  und bei einem Besuch eines Neurologen stand zum ersten Mal die Diagnose ALS im Raum.“ Ein Medikament, welches Frau Lachner verschrieben bekam, sorgte allerdings für eine kurzfristige (subjektive)  Besserung und es bestand die Hoffnung, dass es wieder bergauf gehen könnte.

Die Krankheit schreitet schnell voran

„Beim Einkaufen ist mir dann allerdings aufgefallen, dass meine Frau hinkt. Ich habe sogar auf alten Videos nachgeschaut, wie sie von hinten aussieht, wenn sie geht, aber der Verdacht hat sich leider bestätigt“, beschreibt der gelernte Kaufmann. Daraufhin wurden wieder verschiedene Ärzte aufgesucht und im September 2012 stand fest: Roswitha Lachner ist an ALS erkrankt. Jetzt schritt die Krankheit sehr schnell voran, im Oktober 2012 wurde der erste Rollator als Gehhilfe angeschafft, dem ein Rollator mit Rollstuhl folgte. „Im Dezember 2012 kauften wir dann den ersten richtigen Rollstuhl, mit dem ich meine Frau schieben konnte, und ich baute einen Treppenlift in unser Haus ein, damit sie weiterhin die oberen Räume des Hauses nutzen konnte“, schildert Lachner.

Ein Pflegedienst gewährleistet die Pflege zuhause

Leider verschlechterte sich der Zustand von Frau Lachner sehr schnell und sie schlief auch immer unruhiger, sodass sie ein Medikamentenpflaster gegen ihre Schmerzen bekam. „Bei einer Besorgung eines Folgerezeptes wurde aus Versehen eine falsche Dosierung verordnet, was aber keinem auffiel“, so der 62-Jährige. „Die Folge war, dass meine Frau  sich beim Essen verschluckte,  die Atmung wurde immer schwieriger und eine erneute Einweisung ins Krankenhaus war unumgänglich. Dort wurde eine Lungenentzündung festgestellt. Daraufhin wurde die 61- Jährige im März 2013 das erste Mal künstlich beatmet. Liebevoll kümmerte sich Hans-Siegfried Lachner um seine Ehefrau, doch ohne die Hilfe eines Pflegedienstes war die Pflege zuhause nicht mehr zu schaffen. „Wir stellten einen 24- h Pflegedienst ein und hatten nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem dritten Pflegedienst Glück. Mit der Familien- und Krankenpflege Bochum sind wir sehr zufrieden und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier vor Ort sind sehr zuverlässig und machen einen guten Job“, sagt der Dinslakener.
 
Verschiedene Therapieformen werden angewendet


Frau Lachner erhält regelmäßige Therapieanwendungen in Form von Krankengymnastik, Logopädie und Physiotherapie. „Mehrmals wöchentlich kommen Therapeuten zu uns nach Hause und versuchen den Zustand meiner Frau zu verbessern, doch leider lässt die Krankheit sich nicht aufhalten“, so Lachner. Mittlerweile benutzt Roswitha Lachner einen Sprachcomputer, um  mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Hier kann sie durch Augenkontakt Buchstaben auswählen,  um Sätze damit zu bilden und ihre Anliegen zu äußern. Es besteht auch die Möglichkeit, ganze Sätze hinter einzelnen Button zu hinterlegen,  um das Schreiben zu vereinfachen. Entweder kann man die geschriebenen Sätze in einem Ausgabefeld lesen oder es besteht die Möglichkeit, sich die Sätze vorlesen zu lassen.

Die Familie hält zusammen

Hans-Siegfried Lachner verbringt sehr viel Zeit mit seiner Ehefrau: „Manchmal soll ich ihr die neuesten Infos zu ihrem Hobby im Internet zeigen oder auf dem Keyboard vorspielen. Aber auch die Schwiegertochter und unser Sohn, die mit den zwei Enkelkindern auf dem gleichen Grundstück wohnen, besuchen uns jeden Tag. Die Kinder spielen dann vor dem Pflegebett, damit meine Frau sie sehen kann“, freut sich der 62-Jährige, „wir haben einen großen Familienzusammenhalt, denn uns allen ist Familie sehr wichtig. Gerade erst diesen Februar haben wir ihren Geburtstag zusammen gefeiert und die Kinder haben den Infusionsständer mit bunten Luftballons geschmückt“.

Musik ist das große Hobby

„Ein großes Hobby meiner Frau sind die „Kastelruther Spatzen“. Hier habe ich sie zu ihrem 50. Geburtstag überrascht und in unserem Urlaub in Südtirol ein Treffen mit den Spatzen organisiert. Das werde ich nie vergessen, wie sie sich über die persönlich überbrachten Geburtstagswünsche der Musiker gefreut hat. Seitdem sind wir regelmäßig in unserem Urlaub zum Open-Air gefahren und haben einige der Bandmitglieder persönlich kennen gelernt. Es besteht sogar ein enger Kontakt zu Norbert Rier, dem Sänger der Volksmusikgruppe. Herr Rier hat, als er von der Krankheit meiner Frau erfuhr,  bei uns angerufen,  um sich nach ihrem Gesundheitszustand zu erkundigen und nebst ein paar lieben Worten nette Grüße aus Süd-Tirol geschickt“, beschreibt Hans-Siegfried Lachner.

Gemeinsame Ausflüge in die Natur

„Besonders gerne ist meine Frau auch draußen in der Natur“, weiß Lachner.  „Das sieht man nicht nur an ihrem wundervollen Garten, den sie komplett selber geplant und angelegt hat, sondern auch heute fahren wir, wenn ihr Gesundheitszustand es zulässt, mit dem Auto immer noch gerne an unsere Lieblingsplätze am Niederrhein. Früher haben wir uns hier gerne in ein Café gesetzt und die Sonne genossen, jetzt fahren wir manchmal bis zu drei Stunden spazieren und ich weiß, dass auch das meiner Frau besonders gefällt.“