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Beatmungspflegeportal - 22.11.2010

Beatmet zu Hause - "Wir haben uns von der Krankheit nicht unterkriegen lassen"

Reisen, das war immer schon ihre große Leidenschaft. Das Ehepaar Kaup genoss es, im Urlaub gemeinsam wegzufahren. Sie lernten in fernen Ländern gerne fremde Kulturen kennen, manchmal verbrachten sie ihre freien Tage auch an der deutschen Küste.


Gerne gingen sie am Nordseestrand spazieren und genossen dabei den Sonnenuntergang. Sportlich waren beide, deshalb verbrachten sie ihren Urlaub meist aktiv und vor allen Dingen draußen. Die Natur, das junge, saftige Grün im Frühjahr: Das liebte und beobachtete Michael Kaup in seinem Garten in Bochum. Michael Kaup war schon vor vielen Jahren an der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) erkrankt. Das Ehepaar war gut über die Krankheit informiert. Beide achteten darauf, dass die Krankheit nicht zu viel Raum in ihrem Leben einnahm. Bei der Amyotrophen Lateralsklerose handelt es sich um eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems. Die Krankheit ist unheilbar. Die Degeneration der Nervenzellen führt zu einer zunehmenden Muskelschwäche, zu Muskelschwund bzw. Muskellähmung. Bei fortschreitender Erkrankung kommt es unter anderem zu Sprech-, Schluck- und Gangstörungen. Die zunehmende Schwäche der Muskulatur, auch der Stemmuskulatur, beeinträchtigt das tägliche Leben sehr. Mit den Jahren war für Michael Kaup ein Leben ohne Rollstuhl nicht mehr möglich. Die Wende kam im Jahr 2000. Der Allgemeinzustand verschlechterte sich rapide. Michael Kaup bekam immer schlechter Luft und musste notfallmäßig ins Krankenhaus. Er wurde im Bergmannsheil versorgt. Zur Unterstützung der Atmung wurde er tracheotomiert und kam an die Beatmungsmaschine. „Das war für uns beide eine sehr schwierige Zeit. Doch wir erhielten sehr viel Unterstützung vom Krankenhauspersonal“, blickt Monika Kaup zurück.

Sie betreute ihren Mann während des dreimonatigen, stationären Aufenthaltes mit Hilfe des Pflegepersonals. Sie erhielt eine Einweisung in die Bedienung der Beatmungsmaschine und lernte immer mehr, auch ihren Mann pflegerisch zu unterstützen. Zudem regelte sie mit dem Sozialdienst des Bergmannsheils während des Krankenhausaufenthalts ihres Mannes alles für die Rückkehr nach Hause. Denn es war für sie selbstverständlich, dass sie ihren Mann zu Hause weiter betreuen würde. Und noch mehr: Die gelernte Schneiderin, die viele Jahre als Gruppenleitung in einem Bochumer Textilunternehmen gearbeitet hatte, beschloss, beruflich noch einmal umzusatteln. „Die Impulse für einen beruflichen Neubeginn bekam ich durch die langjährige Betreuung meines Mannes“, blickt Monika Kaup zurück. „Ich stellte schnell fest, dass mir die Pflege sehr liegt.“ Vier Jahre machte Monika Kaup berufsbegleitend eine Ausbildung zur Altenpflegerin, während sie bei der Familien- und Krankenpflege angestellt war. Dadurch konnte sie ihren Mann auch weiter zu Hause unterstützen. Acht Jahre betreute Monika Kaup ihren Mann zu Hause. Immer dabei: mindestens eine Pflegekraft der Familien- und Krankenpflege Bochum. Da ihr Mann invasiv beatmet wurde, versorgten ihn Pflegekräfte der Familien- und Krankenpflege rund um die Uhr. Dennoch versuchte das Paar sein Leben weitgehend normal weiter zu führen. Sie fuhren zusammen in den Urlaub, sie feierten Familienfeiern und lebten ihren gemeinsamen Alltag. Und dann war da noch ihr Beruf, den Monika Kaup so gerne ausübte, so dass sie sich weiter zur Pflegedienstleitung und Fachwirtin für Alten- und Krankenpflege ausbilden ließ – wieder berufsbegleitend.

„Die Pflege rund um die Uhr ist für alle Beteiligten nicht einfach, sowohl für die Angehörigen als auch für die Pflegenden. Natürlich waren die Pflegekräfte sehr rücksichtsvoll. Mein Mann und ich waren ausgesprochen dankbar für die Hilfe, die wir von ihnen bekamen. Die Privatsphäre ist doch stark eingeschränkt, es war keine einfache Situation“, resümiert Monika Kaup. 2008 verstarb ihr 48-jähriger Mann nach achtjähriger Krankheit im Kreise seiner Familie.

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